Nach dem Zypern-Abenteuer: Hoffnung auf Demokratie / Von Gabriele Venzky

Der Schuß der griechischen Junta ist nach hinten losgegangen. Der von den Athener Militärs von langer Hand vorbereitete, aber dilettantisch ausgeführte Coup gegen den zyprischen Präsidenten Makarios hat weder zur Vereinigung Zyperns mit dem griechischen "Mutterland", noch zur Einheit in Griechenland selbst geführt. Im Gegenteil: Die Differenzen im Lager der Offiziere, die der große Krieg gegen die Türkei und der Triumph des "Anschlusses" der wichtigen Insel im östlichen Mittelmeer hatte überdecken sollen, traten noch offener hervor, als in den Tagen vor dem Putsch. Und die Enttäuschung der Bevölkerung über den glücklosen Ausgang des zyprischen Abenteuers mündete wieder ein in die große Woge der Unzufriedenheit mit den Athener Generälen.

Auf der Mittelmeerinsel wurde noch geschossen, als in Athen bereits das Gerücht von einem Putsch der III. Armee gegen das Regime Ioannides/Gizikis die Runde machte. Erstaunt schien darüber niemand zu sein. Auch der amerikanische Außenminister Kissinger nicht, der sich kühl kalkulierend auf eine Verschiebung der Genfer Außenministerkonferenz einstellte.

Ziel: Nationale Einheit

Die hektischen Versuche der Athener Machthaber, ihren Kopf wenigstens durch Bildung eines Kabinetts der "Nationalen Einheit" unter dem früheren Premier Karamanlis zu retten, konnten nicht mehr verheimlichen, daß sie sich bei der Auswahl der Medizin, die die "griechische Krankheit" heilen sollte, vergriffen hatten: Zypern ist diese Medizin nicht gewesen.

Die griechische Junta hatte sich in mehreren Punkten verrechnet: Sie unterschätzte die Entschlossenheit der Türken und die Überlebensfähigkeit ihres Gegners Makarios; und sie überschätzte das strategische und militärische Talent der griechisch geführten Nationalgarde und der auf Anschluß drängenden Untergrundarmee EOKA.

Noch schwerwiegender war der Fehler, daß sie nicht gleich den brillanten Rechtsanwalt und Führer der bürgerlichen "Vereinigten Partei" Zyperns, Glafkos Klerides, zum Anwalt ihrer Sache machte, sondern eine Woche lang den EOKA-Killer und selbsternannten Grivas-Nachfolger Nikos Sampson nach dem Kommando der griechischen Kommandeure tanzen ließ.