Von Marlies Menge

Der Beamte vom Berliner Jugendamt ist skeptisch: "Irgendeine Zeitung schreibt, wie schön es wäre, am Wochenende ein Kind aus dem Heim zu holen, und am nächsten Tag rufen sie bei uns an und wollen ein Mädchen, möglichst blond und nicht älter als vier Jahre. Oder einen Spielkumpan für den Sohn. Wenn dann das verzärtelte Einzelkind mit dem Heimkind nicht spielen kann, bringen sie es zurück – ‚Nein danke, das paßt nicht, haben Sie nicht was Besseres?‘ Das ist meine Meinung zu Wochenendpatenschaften Im Prinzip – ja, in unserer Gesellschaft – nein!"

Um seine Ablehnung zu bekräftigen, erzählt der Beamte von einem Heim, bei dem sich nach einem Zeitungsartikel 73 Ehepaare und Alleinstehende gemeldet hatten, die eine Wochenendpatenschaft übernehmen wollten. Man hatte sie zu einem Vorgespräch eingeladen, um ihnen zu erklären, welche Verpflichtung sie damit auf sich nehmen, welche Schwierigkeiten sie erwarten. Nach dem Gespräch blieben vier Interessenten übrig.

"Das muß nicht unbedingt ein Zeichen von Oberflächlichkeit sein", meint eine Psychologin in der Berliner Behörde für Familie, Jugend und Sport. "Vielleicht hat man Überängstliche abgeschreckt. Man sollte den Leuten schon klarmachen, daß sie sich da keine herzigen Engel ins Haus holen, sondern oft schwierige Kinder und daß eine Wochenendpatenschaft nicht so unverbindlich ist, wie sie sich anhört. Man muß gewillt sein, so etwas auf Dauer zu übernehmen."

Die Vorgespräche führen die Heime, häufiger die Jugendämter, die meistens auch die Kinder und die Pateneltern aussuchen, über letztere Gutachten anfertigen – Verträge, wie bei Dauerpflegestellen, gibt es bei Wochenendpatenschaften noch nicht. Den Heimen wäre es lieber, wenn ihnen die Auswahl überlassen würde, weil sie die Kinder besser kennen. In allen Vorgesprächen zu Wochenendpatenschaften wird gefragt, ob später eine Dauerpflege möglich ist. Diejenigen, die diese Möglichkeit in Aussicht stellen, werden bevorzugt.

Kinder bis zu drei Jahren werden kaum fürs Wochenende weggegeben, weil sie nach wie vor die besten Chancen haben, adoptiert oder in Dauerpflege genommen zu werden. In Berlin ist die Zahl der Kinder bis zu drei Jahren, die bei Pflegeeltern leben, bereits höher als die, die in Heimen leben. Bei den älteren sieht es anders aus. "Wenn der Staat bereit wäre, auch nur ein Drittel von dem an Pflegeeltern zu zahlen, was ein Kind im Heim kostet, hätten wir da weniger Sorgen", sagt die Psychologin.

Sie hat in einer Arbeit Positives und Negatives von Wochenendpatenschaften gegenübergestellt.