Der Streit um das Umweltbundesamt wird auf den Transitstrecken nach Berlin ausgetragen. Einzelne Reisende wurden angehalten und befragt – nach dem Grund ihrer Reise und auch danach, ob sie Bedienstete des Umweltbundesamtes seien. Bisher wurde ein Bediensteter dieser Behörde zurückgewiesen. Diese Stichproben sind ohne jeden Zweifel vertragswidrig. Sie hinzunehmen, würde bedeuten, daß ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen würde.

Es geht dabei freilich nicht nur um das Problem des ungestörten Verkehrs auf den Transitwegen. Es hat den Anschein, daß die Sowjetunion darüber hinaus noch andere Ziele verfolgt. Einmal soll die DDR als Garant des Viermächteabkommens ins Spiel gebracht werden – was ihr nach den Verträgen eindeutig nicht zusteht. Zum anderen – und das scheint das Hauptmotiv zu sein – versucht Moskau, mit Hilfe dieser Pressionen zu einem Vier-Mächte-Regime über Westberlin zu kommen: Nichts soll dort verändert werden, ohne daß die Sowjetunion eingeschaltet wird.

Hier also ist nicht nur die Bundesregierung betroffen, auch die Rechte der drei Westmächte werden tangiert. Deshalb haben die Vereinigten Staaten auch prompt reagiert und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DDR verschoben. Weder die Westmächte noch die Bundesregierung aber sind daran interessiert, durch Drohgesten den bisher begrenzten Konflikt zu eskalieren. Effiziente, nicht demonstrative Härte tut not. (Siehe Seite 5, Martin Kriele: "Machtprobe auf den Transitwegen") R. Z.