Die Brüsseler EG-Kommission macht Jagd auf IBM. Der größte Computerbauer der Welt steht im Verdacht, seine Marktmacht mißbraucht zu haben.

Bislang mußte der amerikanische Computerriese International Business Machines (IBM) nur im eigenen Lande Kartellverfahren über sich ergehen lassen. Jetzt haben auch die Brüsseler Wettbewerbshüter den Rechnerkonzern aufs Korn genommen. In einem Verfahren soll geklärt werden, ob IBM seine Marktmacht – der Marktanteil in der Gemeinschaft liegt bei 60 Prozent – mißbräuchlich ausgenutzt hat.

Über die Beweiskraft der in Brüssel vorliegenden Belastungsunterlagen wollen sich die Kartelljuristen der EG noch nicht äußern. Offensichtlich war es ihnen nicht einmal recht, daß das Luxemburger Kommissionsmitglied Albert Borschette über die Einleitung einer Untersuchung bereits die Öffentlichkeit informierte. Im unklaren sind sich Brüsseler EG-Kenner vorerst noch, ob etwaige Beschwerden kleinerer Computerproduzenten den Ausschlag für das Vorgehen der Kommission gaben.

Es ist kein Geheimnis, daß alle Konkurrenten von IBM, an der Spitze die in der Unidata zusammengeschlossenen Firmen Siemens, Philips und die französische Gesellschaft CII, die Strategie des mächtigen Marktführers argwöhnisch beobachten. Was ihnen besonders zu schaffen macht, sind die gezielten Preissenkungen, durch die IBM ein Abbröckeln seines Marktanteils verhindern will. In einem Memorandum über die Lage der Computerindustrie in der Gemeinschaft betonte die Kommission bereits vor längerer Zeit, daß sich die europäischen Computerfirmen enger zusammenschließen müßten, um gegen den amerikanischen Großkonkurrenten zu bestehen.

Als ein Schritt in Richtung auf die Bildung einer Gegenmacht ist die jüngste Transaktion der Siemens AG zu sehen: Der größte deutsche Elektrokonzern übernahm die Telefunken Computer (TC) in Konstanz, ein 1972 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen von AEG-Telefunken und Nixdorf.

Möglicherweise stehet die jüngsten Untersuchungen Brüssels gegen IBM auch im Zusammenhang mit einer Reise Borschettes in die USA. Der EG-Kommissar hatte mit seinen amerikanischen Wettbewerbskollegen vor allem über ein abgestimmtes Verhalten gegenüber multinationalen Ölkonzernen verhandelt. Es gilt als durchaus denkbar, daß in diesen Gesprächen die gegen IBM seit Jahren ermittelnden US-Behörden den Europäer ermuntert haben, seinerseits den Computergiganten auf eine mißbräuchliche Ausnutzung seiner marktbeherrschenden Stellung zu durchleuchten. b.