Von Marietta niederer

Rom, im Juli

Die Kürschner befinden sich in einem Erfinderrausch. Allen voran die Italiener. Wenn man bedenkt, daß für die Weltausstellung 1900 in Paris zum erstenmal zwei Damenmäntel mit dem Pelz nach außen als Sensation gezeigt wurden – was bis da nur königlichen Hermelinumhängen zustand –, so sind in 74 Jahren unzählige neue Züchtungen und deren Mutationen, neue Techniken, Veredelungen und vor allem die Möglichkeit, Felle beliebig einzufärben, dazugekommen. Letzteres gelang erst in den vierziger Jahren und war eine deutsche Erfindung. Heute geht es darum, dem Zobel die königliche Allüre zu nehmen, Nerze durch moderne Schnitte wieder "in" zu machen und Eichhörnchen als edles Fell zu tarnen, um eine junge Käuferschicht dafür zu begeistern.

Windjacken mit Kapuzen, Seemannsmäntel und Matrosenblusen aus silbergrauen oder biskuitfarbenen Nerzen zeigte Melchiorri und verarbeitete dazu Hanfschnüre als Besatz, als Gürtel und zum Zuschnüren. Chasubles, jene langen, losen Westen, ohne oder mit kurzen Ärmeln aus Nerz, werden über Strickjacken und gestrickten Glockenröcken gezeigt. Aus Breitschwanz sind Pullunder, und große Dreiecktücher aus Nerzen werden in der Art alter Marktfrauen umgebunden.

Kostbare Pelze zu besitzen scheint nicht nur in unruhigen Zeiten zu beruhigen, aber neu ist, diesen Schatz zu tarnen. Wie Schonbezüge, die einst die Salonmöbel vor Licht und Staub schützten, so verschwinden Zobel-, Nerz- und Breitschwanzmäntel unter einem Overcoat, der genau den gleichen Schnitt hat wie die Pelzmäntel oder -jacken, die er zu schützen hat.

Da alle Pelztiere unserer Erde bekannt sind, versuchen die Kürschner, immer neue Felle oder Fellbilder zu kreieren. Das geschieht durch Stricken und Häkeln, Zusammensetzen von Pelzstreifen oder gar durch Verspinnen und Verweben von Pelzhaaren wie Persianer, durch Rupfen von Nerzen und Scheren von Bibern.

Erstaunlich ist die Technik von Melegari & Costa, wo in Streifen geschnittene Nerze auf Gazellenlederstreifen aufgenäht werden und leichte Mäntel ergeben, die ohne Futter beliebig beidseitig getragen werden können.