Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann – Unbedingt:

"Jalousie"; Yehudi Menuhin und Stephane Grappelli, Geige, Alan Clare-Trio; Electrola SHZE 407, 22,– DM

Viele Aufnahmen sind wiederholbar – diese ist es ganz gewiß nicht: Zwei Geiger haben den Trennungsgraben zwischen E- und U-Musik zugetrampelt (Menuhin sagt’s so: er sei mal "vulgär im ursprünglichen Sinne" gewesen, also "breit, stark und populär – menschlich") und machen nun zusammen: Jazz, alten natürlich. Aber wie sie ihn praktizieren: lachend, beschwingt, virtuos, in den musikalischen Details unglaublich einfallsreich. Manchmal hat es den Anschein, als wollten sie die Identität von Jazz und Barock beweisen, indem sie sie spielen. Beide – Menuhin (Jahrgang 1916) und der Django-Reinhardt-Gefährte Grappelli (1910) – brillieren in alten Evergreens wie "Jalousie", "Lady be good", "The lady is a tramp", "Night and day". Der Plattentaschentext, übrigens, ist ganz außergewöhnlich klar und instruktiv: Man braucht ihn auch.

Nach Möglichkeit:

Volker Kriegel & Spectrum: "Mild Maniac"; MPS 21 22020-6, 22,– DM

Diese (auf deutsch) milde Tollheit von Jazz klingt – erster Eindruck – überraschend lyrisch; das Dramatische – zweiter Eindruck – entlädt sich mehr inwendig, in Rhythmen, auch in der manchmal impressionistisch wirkenden Melodik, die scheinbar nur da ist, bestimmte unübliche Harmonie-Farben zu erlauben. Mitunter hat man das Gefühl, als dächten diese fünf hervorragenden Musiker mehr laut vor sich hin, als daß sie nach Plan spielten, als ließen sie ihre Zuhörer teilnehmen am Entstehungsprozeß – eine mit Spannung erwiderte Einladung (wenn es eine war). Einiges ist gewiß schwerlich denkbar ohne Chick Corea, sagen wir: ohne die Courage zur Sensibilität. Es liegt nahe, sich danach George Dukes Trio mit "Faces in Reflection" (MPS 21 22018-4) anzuhören, das seinen Jazz fast umgekehrt macht: eher extrovertiert, rhythmisch aggressiver, mit elektronisch raffiniert gemixten Klängen, doch auch sie machen das äußerst sensibel.

Vielleicht: