Nach der Hauptversammlung der Dortmunder Union (DUB) Schultheis Brauerei AG, Berlin/Dortmund, machte der Aktienkurs des Unternehmens zunächst einen Sprung nach oben. Der Dividendenabschlag von 10 Mark wurde sofort wieder aufgeholt und darüber hinaus ein kleines Plus erzielt. Die Bewegung war eine Reaktion auf die Bemerkung von Anton Ernstberger, Aufsichtsratsvorsitzender der Mammutbrauerei und einer der Sprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, wonach sein Haus beabsichtige, sich von etwa 10 Prozent des DUB/Schultheiss-Aktienkapitals zu trennen, "falls der Markt dies zulasse".

Wer die Börsenverhältnisse kennt und weiß, wie Brauereiaktien von den Anlageexperten zur Zeit eingestuft werden, kommt zu. keinem anderen Schluß: "Über die Börse ist dieses Kleinpaket nicht zu plazieren!" Und für einen "Not"verkauf besteht bei den Bayern kein Anlaß. Ihr Interesse muß darauf hinauslaufen, den Kurs der DUB/Schultheiss-Aktie wieder nach oben zu bringen, um dem Gerede über "unterlassene Abschreibungen" ein Ende zu bereiten.

Deshalb ließen die Münchener durchblicken, daß es einen Interessenten gäbe, der an einer dritten Schachtelbeteiligung an DUB/Schultheiss interessiert sei. Die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank hält an der Brauerei etwa 35 Prozent, die Dresdner Bank etwa 28 Prozent. Wenn also die bayerische Bank 10 Prozent und die Dresdner Bank 3 Prozent zur Verfügung stellt, ist für eine dritte Schachtelbeteiligung bereits ein Grundstock gelegt. Überdies wird man davon ausgehen können, daß beide Banken noch ein paar kleinere Pakete "locker" machen könnten. Ob Zukäufe über die Börse notwendig würden, ist heute nicht abzusehen. Immerhin ein Hoffnungspunkt für die freien Aktionäre der Brauerei.

Eine weitere Hoffnung liegt in der Vermutung, daß die Bayern aus Bilanzierungsgründen versuchen werden, den Kurs von DUB/Schultheiss bis zum Jahresschluß nach oben zu ziehen. Doch bis dahin sind es noch etwa fünf Monate. Die Börsenspekulanten werden zunächst an anderer Stelle ihr Glück versuchen. "DUB/Schultheiss läuft uns ja nicht weg", argumentieren sie.

Natürlich wird man sich fragen müssen, meine verehrten Leser, ob es tatsächlich jemanden gibt, der bereit ist, bei DUB/Schultheiss als "dritter Partner" einzusteigen. Eine Bank kommt nicht in Frage und als "Vermögensanlage" ist das Paket kaum interessant, auch wenn der bekannte Aktionärssprecher Kurt Fiebich die Brauerei als einen der größten Immobilienbesitzer in der Bundesrepublik bezeichnet. Aber Immobilienbesitz hat ebenso an Glanz verloren wie Brauereiaktien, seitdem es mit der Rentabilität der deutschen Brauwirtschaft bergab geht. Und ob sich die Ölmilliardäre für eine DUB/Schultheiss-Schachtel interessieren, ist mehr als zweifelhaft. Mit Bier hat man im Orient nicht viel im Sinn.

Möglicherweise läßt sich die Mehrheit des DUB/Schultheiss-Aktienkapitals an Ausländer (Engländer) verkaufen, sicherlich aber nicht eine von zwei Banken flankierte Schachtelbeteiligung, die keinen "beherrschenden" Einfluß sichert. Ernstberger hat mehrfach erklärt, seine Beteiligung an der Brauerei nicht an Ausländer abgeben zu wollen. Er droht allerdings damit, daß sich diese Haltung ändern könnte, "falls die Kritik im Zusammenhang mit dem Engagement an DUB/Schultheiss anhält", berichtet die "Wirtschaftswoche". Wen Ernstberger damit schrecken will, sagt er nicht.

Interessenten für eine DUB/Schultheiss-Beteiligung von 35 Prozent des Aktienkapitals von 148,4 Millionen Mark sind nicht zahlreich. Auf Basis des heutigen Börsenkurses von 240 Mark für die 50-Mark-Aktie würden 35 Prozent des Aktienkapitals rund 250 Millionen kosten. Damit könnte sich die Bayern Hypo aber sicherlich nicht zufriedengeben, denn sowohl ihr Kaufpreis als auch der Buchwert muß erheblich darüberliegen. Ende des Jahres 1973, als der DUB/Schultheiss-Kurs bei 310 Mark lag, hat die Bank, wie sie mitteilte, ihr Paket nicht auf den "Niederstwert" abgeschrieben, wie es bei Banken sonst üblich ist, sondern zu einem "um einen Paketzuschlag erhöhten Börsenkurs bewertet".