Die Folgen der Herstatt-Pleite und notleidende Baukredite bringen den privaten Banken schwierige Zeiten. Wie sicher sind unsere Spargelder?

Wer will es den kleineren Privatbanken verdenken, daß sie auf ihre großen Brüder, mit denen sie gemeinsam unter dem Dach des Bundesverbandes leben, zur Zeit nicht gut zu sprechen sind? Die kleineren sind es nämlich, die die Folgen der Herstatt-Pleite am empfindlichsten spüren.

Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte sorgt sich um ihre Einlagen bei privaten Banken. Sie hat in einem Brief um Sicherungen gebeten. Ähnlich reagieren die Finanzchefs großer Gesellschaften, die die Firmengelder risikolos anlegen sollen. Die Summen, die aus Angst vor weiteren Pleiten von Privatbanken abgezogen wurden, sollen nicht groß gewesen sein. Aber der Schaden wäre schon schlimm genug, wenn neue Einlagen an den kleineren Privatbanken vorbei zu den Großbanken oder Sparkassen oder genossenschaftlichen Kreditinstituten gelenkt würden.

Zwar ist die Behauptung der genossenschaftlichen Institute, sie hafteten bei jedem Ausfall zu 100 Prozent, nicht ganz korrekt, weil es auch bei ihnen Grenzen gibt. Aber es stimmt, daß seit Jahrzehnten genossenschaftliche Prüfungsverbände über Garantiefonds ebenso für die Sicherheit der Einlagen einstehen wie die Gebietskörperschaften bei Sparkassen und Girozentralen. Die Großbanken sind über jeden Zweifel erhaben. Nur die kleineren Privatbanken können die gleiche Sicherheit nicht bieten. Aus diesem Grunde ist schon 1969 in der Wettbewerbsenquete die Frage der Einlagensicherung erörtert worden. Eine Einlagenversicherung wurde damals abgelehnt, weil das Risiko nicht kalkulierbar ist. Keine Versicherung könnte den Schutz der Einleger übernehmen.

Die Alternative einer gesetzlichen Einlagensicherung durch Garantiefonds fand damals auch nicht die Billigung aller Gruppen des Kreditgewerbes. Die genossenschaftlichen Institute verwiesen auf ihre Prüfungsverbände, die Sparkassen und Girozentralen auf die Haftung der Gewährsträger. Allein wollten die privaten Banken den Gesetzgeber aber auch nicht bemühen. Sie entschieden sich dann für den freiwilligen Garantiefonds, der heute unter dem Namen Feuerwehrfonds eine traurige Berühmtheit erlangt hat.

Wer mit offenen Augen durchs Land geht, weiß, daß vielen Banken auch aus einer anderen Ecke Gefahren drohen. Im Rausch des süßen Inflationsgifts und gestützt auf Steuervorteile haben insbesondere die Bauträgergesellschaften am Bedarf vorbeigebaut. Die Zeugen dieser Fehleinschätzung sind als leerstehende Eigentumswohnungen überall im Lande zu sehen.

Über die Durststrecke kommen die Bauträger nur mit teuren Krediten hinweg. Die Zinslast zehrt an ihrer Substanz. Je länger die Wohnungen keinen Käufer finden, um so häufiger werden die Bauträger um ein Moratorium ersuchen müssen. Die Banken stehen dann meist vor der Frage, ob sie die Sicherheiten – die Wohnungen – verwerten und die Bauträgergesellschaft in den Konkurs treiben, oder ob sie Zinsen und Tilgung in der Erwartung stunden sollen, daß sich früher oder später doch noch Käufer finden. Was aber, wenn das noch sehr lange dauert?