Jugoslawien-Urlauber entdeckten hier schon vor zwei Jahren ein Auto, das vorn unzweifelhaft nach einem Fiat 128 aussah – das aber ein anderes Heck besaß mit einer großen Tür. Der Name "Zastava 1100" sagt dem normalen Mitteleuropäer wenig. Doch dahinter steht einer der bedeutendsten und auch traditionsreichsten Industriekomplexe Jugoslawiens. Das Crvena-Zastava-Werk wurde in Kragujevac 1853 als Kanonengießerei gegründet, seit 1904 produziert man dort auch Fahrzeuge. Heute baut man hier mehrere Personenwagen- und Transportermodelle in Fiat-Lizenz – auch der Fiat 600 lief hier jahrelang vom Band. 1972 wurden 200 000 Fahrzeuge von 27 000 Mitarbeitern gebaut; für 1976 sind 350 000 bei einer Belegschaft von 50 000 geplant.

Das zumindest für uns interessanteste Modell der jugoslawischen Produktion ist dieser Zastava 1100, der von Fiat jetzt auf unseren Markt gebracht wird (unter seinem jugoslawischen Namen). Er ergänzt die 128-Reihe durch eine fünftürige Mehrzweck-Limousine. In den mechanischen Komponenten gibt es keine Unterschiede zum Turiner 128 – es wird derselbe Motor verwendet mit 1116 ccm und 55 PS, dasselbe Getriebe, dieselbe Radaufhängung. Mit 135 km/st ist der Zastava eine Kleinigkeit langsamer als sein Turiner Original, mit 835 kg Leergewicht ist er auch eine Kleinigkeit schwerer. Die Zuladung beträgt 400 kg.

Formal hat das Schrägheck des Jugoslawen eher mehr Pfiff, die Hecktür ist zweckmäßig zum Verstauen sperriger Güter, und vier Türen sind allemal mehr wert als nur zwei. Besonders erfreulich aber ist der Kombi-ähnliche Stauraum, der sich nach Umlegen der Rücksitze auftut: mehr als ein Kubikmeter. Stehen die Rücksitze in Normalstellung, dann bleiben 350 Koffer-Liter – ähnlich wie beim gewohnten 128.

Der Zastava kann von jeder der 1400 Fiat-Kundendienste gewartet werden, er kommt mit derselben Rostgarantie wie die italienischen Modelle. Da der Zastava trotz fünf Türen und Kombi-Karosserie mit 7360 Mark sogar billiger ist als die einfachste Ausführung des Originals mit zwei Türen (7390 Mark), spricht eigentlich alles für den Fiat auf jugoslawisch.

Stefan Woltereck