Zum Beitrag von Rudolf Herlt "Muß Gerling den Schaden ersetzen?" (DIE ZEIT vom 26. 7. 1974) nahm der Pressesprecher des Gerling-Konzerns, David, in einem längeren Brief Stellung. Wir veröffentlichen die Passagen des Briefes, in denen Behauptungen anderer Quellen bestritten werden oder die das bisher bekannte Bild von den Vorgängen bei der Herstatt-Bank ergänzen. Der Rest des Briefes beschäftigt sich mit Vorfällen, die in knapper Form schon im Beitrag von Herlt wiedergegeben wurden.

David schreibt unter anderem: "In dem Artikel heißt es, es gäbe ‚Anhaltspunkte dafür, daß Hans Gerling die Pflichten eines Aufsichtsratsvorsitzenden verletzt habe‘. In der Begründung dazu wird in Zweifel gestellt, daß Dr. Gerling nicht gewußt habe, daß Herstatt hinsichtlich der Devisen-Termingeschäfte daß zu großes Rad drehte‘. Tatsache ist, daß die übermäßigen Ausweitungen der Devisen-Termingeschäfte bei Herstatt erst seit März 1974 stattgefunden haben und daher überhaupt erst seit April 1974 zahlenmäßig erfaßbar werden.

Was die Pflichten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank, Dr. Hans Gerling, anlangt, so ist gerade er es gewesen, der unter dem Eindruck der aufgetretenen Verluste aus Devisen-Termingeschäften bei einigen anderen Banken nachweislich immer wieder auf Einhaltung des branchenüblichen Rahmens dieser Geschäfte bei der Herstatt-Bank und auf eine sorgfältige Überprüfung der betreffenden Positionen gedrängt hat, zuletzt noch in der Aufsichtsratsitzung am 19. März und in der Hauptversammlung am 23. April 1974.

Ihre Darstellung, der Chefdevisenhändler der Bank, Dattel, habe schon im November/Dezember 1973 Iwan D. Herstatt und den Generalbevollmächtigten Bernhard Graf von der Goltz gewarnt, das Engagement "so stark auszudehnen", ist unrichtig. Wie einwandfrei feststeht, ist gerade Herr Dattel es gewesen, der die Devisen-Termingeschäfte in immer stärkerem Maße forciert und darüber seine Vorgesetzten und den Aufsichtsrat durch betrügerische Manipulationen und Falschbuchungen mit fingierten Abrechnungen getäuscht hat.

Dieser Tatbestand ist am 16. 6. 1974 zusammen mit dem Verlust von rund einer halben Milliarde Mark durch das im Auftrage von Herrn Dr. Gerling handelnde Aufsichtsratsmitglied der Bank, Anton Weiler, zur Aufdeckung gebracht worden.

Im Namen von Herrn Dr. Gerling erkläre ich hiermit, daß er von der Geschäftsleitung der Bank zu keiner Zeit von einem über das festgesetzte Maß hinausgehenden Engagement der Herstatt-Bank auf dem Gebiete der Devisen-Termingeschäfte in der entscheidenden Zeit seit Januar 1974 informiert wurde oder das gar toleriert hat.

Die Überwachungsverpflichtung des Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank wurde von ihm insbesondere mit Unterstützung der Bilanzprüfer sogar in außergewöhnlichem Maße wahrgenommen, indem er unter dem Eindruck der bekannten Verluste anderer Banken aus dem Devisen-Termingeschäft trotz aller beruhigenden Erklärungen von Herrn Herstatt über das Aufsichtsratsmitglied Anton Weiler die entsprechenden Geschäfte weiter besonderen Kontrollen unterziehen ließ, um eine übermäßige Ausweitung des Devisen-Termingeschäfts der Herstatt-Bank zu verhindern.