DIE ZEIT

Schwerster Sieg

Freudenkundgebungen in Portugal, Verbrüderung zwischen Weiß und Schwarz in Übersee – es war eine "historische Stunde", als Präsident Antonio de Spinola den Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit versprach.

Berlin-Streit

Der Streit um das Umweltbundesamt wird auf den Transitstrecken nach Berlin ausgetragen. Einzelne Reisende wurden angehalten und befragt – nach dem Grund ihrer Reise und auch danach, ob sie Bedienstete des Umweltbundesamtes seien.

Amerika in der Zerreißprobe

Nun sind die Weichen gestellt, Präsident Nixons Schicksal vollzieht sich unaufhaltsam. Das jahrelange makabre Spiel zwischen einem listenreichen Präsidenten und einem zornerfüllten Kongreß, der an die Vorschriften der Verfassung gekettet ist – juristisches Procedere gegen abgefeimte Tricks –, ist nun in die Endphase eingetreten.

Atempause für Zypern

Auf der Genfer Zypern-Konferenz scheint man fürs erste einig geworden zu sein. Der Zwang zum Kompromiß war am Ende stärker als der Wunsch, am Erbfeind sein Mütchen zu kühlen.

Vorhut der Inflation

Der Deutsche Beamtenbund, Standesvertretung aller auf Lebenszeit angestellten Staatsdiener, hat sich nächst den Interessenverbänden der Ärzte- und Bauernschaft zur penetrantesten Pressure Group auf der Bonner Bühne gemausert.

"Schwarzer Junge" – Liebling der Nation

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Semih Akbil, war nervös. Immer wieder fingerte er am Krawattenknoten, während er zwischen dem Konferenzsaal und der Seitentür zum Amt des Ministerpräsidenten hin und her lief oder den goldumrandeten Wasserkrug am Platz des Premiers von einer Seite zur anderen schob.

Moçambique: Rückzug aus dem Busch

Der Rückzug der portugiesischen Truppen aus den jahrelang umkämpften nördlichen Gebieten ihrer ostafrikanischen Besitzung Moçambique hat längst begonnen.

Zeitspiegel

Wird die Regierungszentrale Bonn künftig von Freitagmittag an unbesetzt sein? Diese Frage ist entstanden, nachdem das Wochenpensum der Angehörigen des öffentlichen Dienstes ab 1.

Rückkehr zur Weltdiplomatie

Eigentlich wird James Callaghan, der pausbäckige Hüne mit der Begabung im Ausdenken von Kompromißformeln, zur Zeit dringend daheim in London gebraucht.

Der schwere Weg zurück zur Demokratie

Dieses lakonische Kommuniqué, das am Dienstag, dem 23. Juli, um 19.15 Uhr vom Athener Rundfunk ausgestrahlt wurde, hat ganz Griechenland wie ein Erdbeben erschüttert.

Wolf gang Ebert: Bomben inklusive

Es war immer das Quentchen Abenteuer, so eine gewisse prickelnde Ungewißheit, was manchen Touristen im Urlaub fehlte", sagte Herr Splitter, Leiter des exklusiven Reisedienstes "Terropa".

Das Parlament kann anklagen

Die Arbeit des Rechtsausschusses ist beendet, der Weg zum eigentlichen Impeachment, zur Anklageerhebung im Repräsentantenhaus, ist frei.

Machtprobe auf den Transitwegen

Die Errichtung des Umweltbundesamtes in Berlin hat die DDR mit der Drohung beantwortet, Personal und Material des Amtes von der Benutzung der Transitwege auszuschließen.

Unbeirrbare Redlichkeit

Wenn man von jemandem sagt, er sei in den Sielen gestorben oder (etwas feiner) "Der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen", dann denkt man an einen Mann in gutem Alter, voller Vitalität, die der Tod überraschend beendete.

Streit um die See

In Caracas wird derzeit über die Aufteilung – oder auch Nichtaufteilung der Meere verhandelt. Ein neues Seerecht ist dringend vonnöten.

Mittelalter auf französisch

Alte Haftanstalten erlauben keinen modernen Strafvollzug – Hoffen auf Giscards Politik des Wandels

Krause paßt

Die Bombe platzte nach dem Tanzfest, Während sich die SPD-Honoratioren von Kaufbeuren noch die Köpfe kühlten von langen Volksfestnächten, mußten sie sich unverhofft auch noch die Augen reiben: Ungläubig lasen sie den Brief mit dem der 43jährige Oberbürgermeister Rudolf Krause seinen Austritt aus der SPD erklärte – als "eine Konsequenz aus den Aktivitäten gewisser Kräfte innerhalb der SPD im örtlichen Bereich".

In Sachen 4. Partei

Der Mühlheimer Kaufmann Kurt Meyer will mit einigen Gesinnungsfreunden im kommenden Herbst eine vierte Partei gründen, die "ehrlicher und aufrichtiger Partner der CDU" sein soll.

Walther geht

Beliebt bei seinen Redakteuren – Der Verleger der "Bremer Nachrichten" unterlag der Konkurrenz

Die Leiden des Dr. Riedel

In Frankfurts Vorort Oberrad, in einer bescheidenen Dachwohnung, lebt Dr. phil. Carl Riedel. Er ist fast 78 Jahre alt und Witwer.

Sozialismus: Kurskorrektur nach links

Dieser Sammelband mit fünfzehn Arbeiten ungarischer Soziologen und Philosophen aus den letzten acht Jahren entspricht weder dem Klischee des Kalten Krieges noch paßt er ins Weltbild harmonistischer Fürsprecher bürokratisch-sozialistischer Gesellschaften.

Türkische Truppen bleiben auf Zypern

Die drei Garantiemächte des Zypern-Abkommens von 1960 – Großbritannien, Griechenland und die Türkei – haben am Dienstag eine Übereinkunft unterzeichnet, die die türkische Regierung zur Verringerung, aber nicht zum völligen Abzug ihrer Invasionstruppen verpflichtet.

Island erkennt Haager Urteil nicht an

Islands Feiern zum elfhundertjährigen Bestehen des Inselstaates wurden durch einen Spruch des Internationalen Gerichtshofes im Haag überschattet, wenn auch nicht sonderlich beschwert.

Entwicklungsländer: Exporterlös sicher

Die Europäische Gemeinschaft hat den 44 Entwicklungsländern, die zum Teil mit ihr assoziiert sind oder aber eine Assoziierung anstreben, ein wichtiges Zugeständnis gemacht: Falls die Exporterlöse eines dieser Länder wesentlich hinter denen der Vorjahre zurückbleiben, ist die EG zu finanzieller Hilfestellung bereit.

Chronik der Watergate-Affäre

1. Mai 1973: Präsident Nixon, erstmals unter dem Verdacht der Mitwisserschaft von Vertuschungsversuchen, verspricht volle Aufklärung und übernimmt die Verantwortung.

NACHRICHTEN DER WOCHE

Acht Mädchen zwischen sieben und dreizehn Jahren aus dem Kreis Limburg/Lahn kamen am Montag ums Leben, als eine Holzbrücke über der Rauriser Ache im österreichischen Bundesland Salzburg einstürzte.

NAMEN DER WOCHE

Erich Kästner starb 75jährig in einer Münchner Klinik. Der aus Dresden stammende Schriftsteller wurde ebenso bekannt mit seinen satirischen, zeitkritischen Gedichtbänden ("Herz auf Taille") wie mit seinen Kinderbüchern, die Millionenauflagen erreichten ("Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen", "Das fliegende Klassenzimmer", "Der 35.

Labour-Party: Spaltung droht

Eine Rede von Innenminister Roy Jenkins hat die britische Labour-Party in verschärfte Richtungskämpfe gestürzt. Sie kommen dem Parteichef und Premierminister Wilson um so weniger gelegen, als sie die Chancen für die mit großer Wahrscheinlichkeit im Herbst bevorstehenden Neuwahlen schwächen.

Unsinn und Form

In Thomas Bernhards neuem Stück geht es unter anderem darum: wie man ein Schuhfetzchen und ein Taschentuch im rechten und linken Hosensack zu plazieren hat.

Tristan stark gebremst

Wie stirbt man Wagners Liebestod? Soll der Regisseur seine Phantasie von den Worten ("immer lichter ... hoch sich hebt... auf sich schwinget") und von der in chromatischen Sequenzen aufsteigenden Stimme Isoldes mit emportragen und die junge Frau an der Leiche des Geliebten nicht sterben, sondern sich verklären lassen? Die kühne, Wagners Anweisung ("sinkt, wie verklärt, sanft auf Tristans Leiche") übergehende Deutung wagte August Everding bei seinen ersten beiden Inszenierungen von "Tristan und Isolde" (Wien, 1968; New York, 1972): Isolde stirbt stehend, darf in den USA sogar mit dem Geliebten eine hydraulische Himmelfahrt erleben.

Zeitmosaik

Die Fortgeschrittenheit einer Literatur läßt sich (unter anderem) daran messen, inwieweit sie sich der Sexualität bemächtigt hat, ohne sie zum puren Stimulans für den Leser und für die Verkaufsziffer zu machen.

Die neue Schallplatte

Viele Aufnahmen sind wiederholbar – diese ist es ganz gewiß nicht: Zwei Geiger haben den Trennungsgraben zwischen E- und U-Musik zugetrampelt (Menuhin sagt’s so: er sei mal "vulgär im ursprünglichen Sinne" gewesen, also "breit, stark und populär – menschlich") und machen nun zusammen: Jazz, alten natürlich.

Kunstkalender

Bilder aus den Jahren 1954 bis 1974: Schon mit seinen frühen monochromen Bildern beweist Hoehme ein bemerkenswertes Gespür für das, was in der Luft liegt.

Filmtips

"Testament in Blei" von Carlo Lizzani. Ein semi-dokumentarischer Versuch über den New Yorker Gangster Crazy Joey, der sich vom dumpfen Totschläger zum vom Existenzialismus inspirierten Verbrechens-Philosophen mauserte.

Und ewig erinnern sich die Stars

Noch in diesem Jahr will sich Lilli Palmer in Egon Günthers DEFA-Verfilmung von Thomas Manns "Lotte in Weimar" endgültig aus dem Filmgeschäft zurückziehen.

Der gute Mensch von Gemmelsbroich

Dies ist die Geschichte einer Empörung. Ein sanfter Mensch schlägt um sich. Eine junge Frau mit dem Symbolnamen Katharina Blum, von einer rücksichtslos auch das private Leben ihrer Bürger vermarktenden Gesellschaft in die Enge getrieben, richtet die Pistole auf den unschuldig-schuldigen Menschen, in dem sich ihr die Anonymität einer aus sex and crime Profit ziehenden Welt verkörpert, auf den skrupellosen Reporter einer Schmierzeitung, der nach dem dramaturgischen Gesetz der Namensgebung in diesem Werk zum Tod bestimmt ist: Werner Tötges.

Ochsentour zum Traumberuf

Noch einmal vor die Wahl gestellt, würden sich die meisten wieder für diesen Beruf entscheiden. Aber einstimmig protestieren sie, wenn das Image des "Traumberufes" als entscheidendes Kriterium für ihre Wahl genannt wird.

Schwierigkeiten mit Karl Marx

Gewiß, man kann, gerade aus einer linken Position heraus, viel einwenden gegen die Art und Weise, in der Karl Marx – und das gleich zweimal – als ein großer Deutscher präsentiert worden ist.

Die Poesie ist hin

Liebespaare unter Gasmasken, ein abgehackter Penis in Großaufnahme, schwüle Spiele mit Muttchen, sabbernde Epilepsie, orgiastischer Kannibalismus, ein Hauch von Nekrophilie: Auch in seinem zweiten Film versammelt Fernando Arrabal wieder die wüstesten Obsessionen, schwelgt in Schock- und Ekelbildern, stellt sich aus als blasphemischer Provokateur und anarchistischer Bürgerschreck.

Der Regisseur als Zuschauer

Obwohl vorerst nur vereinzelt im Kino eingesetzt, hat der neue Film von Rudolf Thome schon eine ganze Flut von Kritik und Gegenkritik hervorgerufen und bei einigen Feuilletonschreibern einen geradezu bekenntnishaften Eifer freigesetzt.

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