Die einfachste Art, Senior zu werden, ist: Sohn zeugen, aufziehen und ins Geschäft nehmen. Sobald er als Junior auftritt, befördert er seinen Vater, ohne daß diesem weitere Anstrengungen zuwachsen, zum Senior. Kontrastwirkung. Spätestens dann, wenn der Junge aktiv wird, stellt sich aber auch heraus, daß der "Senior" zugleich Ehren- wie Trosttitel ist. Etwas für bessere Leute.

Soeben hat die SPD einen "Senioren-Rat" konstituiert. Wer darf da Mitglied werden? Und was soll er tun?

Die Meldung spricht von "nicht mehr aktiven sozialdemokratischen Politikern", und ihre Aufgabe sei es, "den Parteivorstand zu beraten". Die erste Definition ist demnach negativ: "nicht mehr aktiv", die zweite positiv: "beraten".

Die Herren Senioren mögen zu Gnaden halten: Ich sehe da schwarz.

Freilich, denke ich an die Männer, die diesem Gremium angehören, so fällt mir Sokrates ein und seine Rede vor den Richtern. Dieser Philosoph der Philosophen, der den Tod nicht fürchtete, sei er ein tiefer Schlaf, sei er ein ideales Weiterleben, sagte für den Fall aktiver Seligkeit: Welch ein Vergnügen, mit den Weisen von ehemals Gedanken auszutauschen!

Da seh’ ich das schöne, barocke Haupt des nicht nur körperlich großen Carlo Schmid. (Er ist der Vorsitzende, der Senior der Senioren.) Ich seh’ den klugen Rabenkopf Weichmanns, den Dickschädel Kaisens; der eine Exbürgermeister Hamburgs, der andere Bremens. Ich seh’ die ruhige Intelligenz im Antlitz Rosenbergs, des Gewerkschaftsführers, der seinen Nachfolgern die Neigung zu maßvollem Verhalten wohl leider nicht hat hinterlassen können.

Und es wären noch andere Persönlichkeiten zu nennen, die dem neuen Kreise der SPD-Senioren angehören. Aber ich will den Namen eines Mannes hinzufügen, der, lebte er noch, sicherlich ebenfalls zum Senioren-Rat gehörte. Gemeint ist Hamburgs ehemaliger Bürgerschaftspräsident Schönfelder, der, wenn auch nicht öffentlich, das Wort sprach: "Ick bün jo sehr för De-mo-kra-tie. Aber een mut to seggen hemm. Un dat mut ick sin!" Gefolgt wurde dieser Satz von einem wunderbaren, selbstgefertigten Schönfelderschen Lachen.