Als die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft in der vergangenen Woche die Koffer zur Reise nach Jamaika packten, hatten sie in Brüssel den Eindruck hinterlassen, sie würden den Vertretern der 44 Entwicklungsländer Afrikas, der Karibik und des Pazifiks nicht mit leeren Händen gegenübertreten. Aber wie schon so oft waren sie schlecht vorbereitet, weil untereinander uneinig.

Frankreichs Außenminister Sauvagnargues als Sprecher der Gemeinschaft konnte den AKP-Ländern, wie die Gruppe der assoziierten oder zur Assoziation eingeladenen Entwicklungsländer heißt, lediglich in einem Punkt ein konkretes Angebot unterbreiten. Die Gemeinschaft verzichtet darauf, handelspolitische Gegenleistungen zu verlangen, wenn sie den europäischen Markt für die Erzeugnisse der Entwicklungsländer öffnet.

Dagegen bleiben andere Punkte weiter umstritten: die Höhe des Entwicklungsfonds der Gemeinschaft, die Regelung der Zuckereinfuhren, die das Commonwealth-Zuckerabkommen ablösen soll, und die Ausgestaltung des Fonds zur Stabilisierung der Exporterlöse der Entwicklungsländer. Über diesen Fonds, dessen Einzelheiten noch festgelegt werden müssen, gab es in allerletzter Minute nur eine prinzipielle Einigung, die allerdings in den Entwicklungsländern als Durchbruch angesehen werden wird. In der Tat, auch nach den von den sparsamen Bonnern verlangten Abstrichen ist das Projekt einer Ausgleichskasse für die weltmarktbedingten Schwankungen der Exporteinnahmen der Entwicklungsländer beispielhaft für die Entwicklungspolitik. hhb