Von Kai D. Eichstädt

Noch einmal vor die Wahl gestellt, würden sich die meisten wieder für diesen Beruf entscheiden. Aber einstimmig protestieren sie, wenn das Image des "Traumberufes" als entscheidendes Kriterium für ihre Wahl genannt wird. Deutschlands "Flugzeugführer" – so die offizielle Berufsbezeichnung – warnen all jene, die meinen, Piloten seien nichts anderes als uniformierte Playboys, die, wenn sie sich nicht gerade mit Stewardessen am Swimming-pool eines First-Class-Hotels amüsieren, hin und wieder von Hongkong nach Tokio fliegen müssen.

Entsprechend nüchtern sind die Stellenangebote der Deutschen Lufthansa aufgemacht. Vom "Duft der großen weiten Welt" ist da keine Rede. Der stärkste Trumpf heißt "Kein Numerus clausus für Nachwuchs-Flugzeugführer". Alle weiteren Erläuterungen sollen offensichtlich dazu dienen, die Naiven und Gutgläubigen abzuschrecken. Immerhin: Wer Flugzeugführer werden will, erfährt, daß er sich jederzeit bei der Lufthansa bewerben kann.

Allwöchentlich finden in Hamburg Eignungsuntersuchungen statt. Fünf Tage lang werden die Aspiranten auf Allgemeinbildung, logisches Denken, Merkfähigkeit, Raumorientierung, Reaktionsverhalten und, zu guter Letzt, auch noch fliegerisches Interesse getestet. Voraussetzungen: Alter bis 23 Jahre, Abitur, Mindestgröße 1,70, maximal 1,90 Meter.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres baten 626 Interessenten die Lufthansa um nähere Informationen über den Pilotenberuf. 486 von ihnen haben sich anschließend offiziell für die Eignungsuntersuchung beworben.

Wer diese Hürde überspringt und schließlich auch den Ausbildungsvertrag mit der Lufthansa aushandelt, kann sich in den nächsten 24 Monaten kaum noch Gedanken darüber machen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat. Denn die ersten zwei Jahre im Leben eines Nachwuchs-Flugzeugführers sind mit einem umfangreichen Ausbildungsprogramm ausgefüllt:

Vier Monate Verkehrsfliegerschule in Bremen dienen der theoretischen Vorbereitung fürs Fliegen. Da heißt es Theorie büffeln für die Privatpiloten-Lizenz und das Sprechfunkzeugnis. Anschließend geht es für zehn Monate zur fliegerischen Ausbildung nach Phoenix im US-Staat Arizona. Insgesamt fliegen die Pilotenschüler 270 Stunden auf ein- und zweimotorigen Flugzeugen, bevor sie zur letzten Ausbildungsetappe wieder nach Bremen zurückkehren.