Drei Jahre hat man es sich mit angeschaut, dann schritt man zur Tat: Der Fremdenverkehrsverband Schleswig-Holstein hat seinem Dachverband, dem Deutschen Fremdenverkehrsverband (DFV) kurzerhand die Gefolgschaft aufgekündigt. Für die nächste Zeit zumindest will man für sich allein werkeln, die 30 000 Mark Mitgliedsbeitrag glaubt man wirkungsvoller einsetzen zu können.

Nach Kurhessen-Waldeck und der Stadt Stuttgart ist dies die dritte deutsche Fremdenverkehrsregion, die das gemeinsame Dach gering schätzt, weil es ihr nicht genug Schutz bietet. Geschäftsführer Gerhard Kramer: "Was wir brauchen, ist eine starke Interessenvertretung; in Bonn, nicht gerade wie der Bauernverband, aber so ähnlich."

In der Tat, einen Freiherrn von Heereman hat es in der bundesdeutschen Fremdenverkehrswirtschaft nie gegeben, die Aktivitäten waren immer zu stark aufgeteilt, die Kompetenzen zersplittert: Neben dem DFV, der mit Verbandsmitteln Inlandswerbung betreibt (und bei drei Versuchen, mit einer Auswahl von Pauschalangeboten aus deutschen Landen gemeinschaftlich zu werben, Schiffbruch erlitt), gibt es – für die Auslandswerbung – die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die von Bundesmitteln recht und schlecht lebt. Um die Gesundheit der Bundesbürger im Urlaub kümmert sich der deutsche Bäderverband.

Nun gibt es zwar ein Spitzengremium des deutschen Fremdenverkehrs, in dem alle Verbände mit ihren Präsidenten vertreten sind, aber dieses "Fremdenverkehrspräsidium" ist eher eine lose Arbeitsgemeinschaft denn ein Entscheidungsgremium.

Erst kürzlich suchte man in einem Gespräch bei Wirtschaftsminister Friderichs wiederum nach dem Konzept für eine adäquate Förderung des Fremdenverkehrs. Aber die Formulierungen auf der einen wie der anderen Seite waren abgewogen und vorsichtig – zu vorsichtig. Dabei haben die Vertreter der Fremdenverkehrs Wirtschaft gerade das auf Regierungsseite bemängelt, was ihnen nach Meinung der Kieler Rebellen selber schadet – Zuständigkeitswirrwarr, in diesem Fall: mangelnde Koordinierung der Förderungsmaßnahmen in den Ministerien. Zwar hat, auf Bundesebene, erst kürzlich das Verkehrsministerium seine Kompetenzen teilweise an das Wirtschaftsministerium abgegeben, aber die "Ferien auf dem Bauernhof" zum Beispiel florieren weiterhin unter den Augen des Landwirtschaftsministers, die Familienferien werden vom Bundesfamilienministerium überwacht.

So scheint das Argument der Schleswig-Holsteiner plausibel: Wenn die Fremdenverkehrswirtschaft von Bund und Ländern mehr erwartet als beruhigende Worte und, zum Beispiel eine völlig unzureichende Finanzspritze für Werbung im Ausland, sollte sie mit einer Stimme sprechen. Denn die Förderung nach mehr Förderung ist berechtigt.

Es muß ja nicht gleich ein Touristikministerium sein, aber in Zeiten, wo ausländische Touristen eher geneigt sind, die teure Bundesrepublik links liegen zu lassen (1973 kamen allein zehn Prozent weniger Besucher aus Übersee) und sich auch Bundesbürger nur zögernd entschließen, es mal wieder mit einem Urlaub im eigenen Land zu versuchen (Wetter und Preisauftrieb sind eben doch ernst zunehmende Störfaktoren), sollte dem Fremdenverkehr als wirtschaftspolitischem Faktor mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.