Lorenzo Marques!Mocambique, im Juli

Der Rückzug der portugiesischen Truppen aus den jahrelang umkämpften nördlichen Gebieten ihrer ostafrikanischen Besitzung Moçambique hat längst begonnen. Müde und entmutigt räumten sie Dutzende von Außenposten in der Nachbarschaft von Tansania und Sambia. Noch ehe ein Waffenstillstand geschlossen werden konnte, hat die Armee von sich aus den Krieg beendet.

Die Untergrundbewegung Frelimo zeigte vor dem Ende noch einmal ihre Stärke. Ihre Partisanen sprengten wichtige Brücken im Landesinnern. Über einigen der von Frelimo verwalteten Gebiete im Nordosten läßt sich kein portugiesisches Flugzeug mehr blicken, seit dort von Rußland gelieferte SAM 7-Raketen stationiert sind. Die Bewaffnung der Volksmiliz ist ebenfalls besser geworden – jeder Soldat hat seine Kalaschnikow, jede Einheit mindestens eine Panzerfaust.

Aber auch die Frelimo scheint vom Krieg genug zu haben. Sie bemüht sich um örtliche Feuerpausen, gibt Geschäftsreisenden in den von ihr beherrschten Gebieten freies Geleit und redet verängstigten weißen Siedlern zu, doch auf ihren Farmen zu bleiben. In einem Fall hat die Frelimo sogar einen Trupp desertierter farbiger Soldaten der portugiesischen Armee verhaften lassen, die in den Dörfern geplündert hatten.

Die Obergangsphase zwischen Krieg und Frieden steckt voller Gefahren. Das Land ist nahezu bankrott. Die weißen Siedler haben wenig Lust, noch Felder zu bestellen, auf denen sie vielleicht niemals mehr ernten können. Die Industrie steht wegen Rohstoffmangels vor dem Zusammenbruch. Der Exodus der Weißen ist im vollen Gange; auf den Flugplätzen und in den Docks der Häfen stapeln sich die Möbel, die nach Portugal fortgeschafft werden sollen.

Ein paar Weiße sinnen auf bewaffneten Widerstand. Industrielle und Banker schmieden an einer mächtigen Bewegung, die ihre Interessen sichern soll. Vielerlei politische Gruppen unter den Farbigen rangeln ebenfalls hektisch um einen Platz am Konferenztisch. Beide Seiten wollen das gleiche: Frelimo soll nicht die ganze Macht erhalten.

Über all diesen Gruppen schwebt der Schatten des mächtigen und reichen Kaufmanns Jorge Jardim, der sich für die Zukunft Moçambiques noch eine Rolle ausgedacht hat. Mit freilich geringem Erfolg warb er auf einer Reise durch Westeuropa und Südafrika für seine Sache. Seinetwegen hat Portugal die Beziehungen zum ostafrikanischen Staat Malawi abgebrochen. Jardims alter Freund, der malawische Präsident Hastings Banda, hatte dem steckbrieflich gesuchten 66jährigen Abenteurer jüngst beim Unabhängigkeitsfest einen Platz in der Ehrenloge gewiesen und ihn dem portugiesischen Botschafter vorgezogen. Die Portugiesen trauen Jardim zu, er könnte kraft seines Einflusses mit Hilfe farbiger Fallschirmjägereinheiten aus der Kolonialarmee eine Widerstandsbewegung aufziehen. Seine Guthaben in Moçambique sind inzwischen eingefroren worden. Jardim genießt nach wie vor in der städtischen Geschäftswelt ein hohes Ansehen.