Freudenkundgebungen in Portugal, Verbrüderung zwischen Weiß und Schwarz in Übersee – es war eine "historische Stunde", als Präsident Antonio de Spinola den Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit versprach. Der General fand Worte, die der Größe dieses Entschlusses angemessen waren: "Wir haben den schwersten aller Siege erstritten: den Sieg über uns selbst, über unsere Irrtümer und unsere Widersprüche."

Von Widersprüchen war der General selber nicht frei geblieben. Als er sich im Frühjahr an die Spitze des Militärputsches stellte, wollte er einen sinnlosen dreizehnjährigen Krieg beenden, nicht ein fünfhundertjähriges Reich zerstören. Vorerst sollten die farbigen Untertanen lediglich die Autonomie erhalten, damit sie sich allmählich und in Ruhe auf die völlige Unabhängigkeit vorbereiten konnten. Doch unter dem Druck der jüngeren Offiziere mußte Spinola einsehen, daß es dafür schon zu spät war.

Auf dem Weg in die ungewohnte Freiheit lauern Gefahren. Am leichtesten wird es das kleine Guinea-Bissau haben, das schon fast ganz von den Aufständischen beherrscht wird. Aber in den riesigen Gebieten von Moçambique und Angola mit ihren Hunderttausenden weißer Siedler und ihren verfeindeten Stämmen sind Katastrophen wie einst im belgischen Kongo oder Sezessionen nach dem Vorbild Rhodesiens keineswegs unmöglich. Was der sozialistische Außenminister Soares prophezeit hat: ein lusitanisches Commonwealth zwischen Portugal, Brasilien und den drei neuen afrikanischen Staaten, worin man eine Sprache spricht und keine Rassenschranken kennt – noch ist es nichts als ein schöner Traum. kj.