Eine Rede von Innenminister Roy Jenkins hat die britische Labour-Party in verschärfte Richtungskämpfe gestürzt. Sie kommen dem Parteichef und Premierminister Wilson um so weniger gelegen, als sie die Chancen für die mit großer Wahrscheinlichkeit im Herbst bevorstehenden Neuwahlen schwächen.

Jenkins attackierte den linken Parteiflügel wegen seiner Neigung zum politischen Extremismus. Er machte deutlich, daß die Partei ohne die Gefolgschaft der fortschrittlich gesinnten, aber für eine maßvolle Politik eintretenden Wähler keine Wahlen gewinnen könne. Darauf müsse ihr Programm zielen. "Ich habe keine Zweifel, wo das Kabinett oder die große Mehrheit der Fraktion steht", sagte Jenkins, "aber es sollten auch in der Wählerschaft keine Zweifel darüber aufkommen können." Die Rede war auch ein Plädoyer für Englands Platz in Europa. Für ein isolationistisch orientiertes Großbritannien gebe es keine Zukunft mehr. Der linke Flügel reagierte bereits sehr heftig und sprach von Spaltung.