Mitten in der Sommerflaute sehen sich die Intendanten der Funk- und Fernsehanstalten unvermittelt herber öffentlicher Kritik ausgesetzt. Das neuerliche Interesse an ihren Häusern haben die Funkherren allerdings einem der Ihren zu verdanken: dem Intendanten des Westdeutschen Rundfunks Klaus von Bismarck. Es sei zu bedenken, so der Kölner Intendant, ob nicht aus Sparsamkeitsgründen jeweils eines der beiden Fernsehprogramme einmal in der Woche einen Tag Sendepause machen solle.

Die plötzliche Publizität kommt um so überraschender, als sich an der Lage der Anstalten in letzter Zeit nichts geändert hat. Deutschlands Funk- und Fernsehhäuser, das ist hinreichend bekannt, gehen schlimmen finanziellen Zeiten entgegen. Bis 1977, so der bayerische Intendant Reinhold Vöth, müßten die neuen Landesrundfunkanstalten der ARD mit einem Defizit von rund 970 Millionen Mark rechnen. Das Zweite Deutsche Fernsehen muß, wird ihm nicht ein Teil erlassen, über eine Milliarde Mark Körperschaftssteuern an die Finanzbehörden nachzahlen. Ein Ausweg aus der Finanzklemme ist nicht absehbar, obwohl die Ministerpräsidenten der Länder zum 1. Januar dieses Jahres einer Gebührenerhöhung von 8,50 auf 10,50 Mark zugestimmt hatten. Die Intendanten selber freilich hatten eine Anhebung auf 12 Mark gefordert, doch die Politiker wollten ein Exempel statuieren.

Noch bis Ende der sechziger Jahre wuchs den Anstalten ständig neues Publikum zu – die Gebühreneinnahmen kletterten von Jahr zu Jahr, die Kosten stiegen stets in kleineren Raten. Nun hat sich das Blatt gewendet. In Deutschlands 21 Millionen Haushalten stehen knapp 19 Millionen Fernseh- und über 19 Millionen Rundfunkgeräte, damit ist die Sättigungsgrenze erreicht. Während also die Einnahmen stagnieren, laufen den Sendern die Kosten davon.

Sicherlich, in den Jahren des Booms haben die Fernsehveranstalter es versäumt, rechtzeitig an die Zukunft zu denken. Allzu sorglos wurden neue Funk- und Fernsehzentren gebaut, die teuersten Stars waren gerade gut genug für die beim Publikum beliebten Shows, und die Verwaltungsapparate wurden immer größer.

Diese Fehler muß man den Intendanten anlasten, doch auch die Politiker, die in den Kontrollinstanzen der Anstalten Geschäfts- und Finanzgebaren zu überwachen haben, haben einen Teil dieser Sünden mit zu verantworten, sie haben jahrelang geschwiegen.

Sparmaßnahmen aber brauchen Zeit, ehe sie Auswirkungen im Haushalt zeigen. So sind die Anstalten sicherlich auf dem richtigen Wege, wenn sie aufhören, sich mit aufwendigen Shows und Superstars gegenseitig Konkurrenz zu mahen, wenn sie behutsam das eine oder andere der zahlreichen Sinfonie- oder Tanzorchester aufösen, wenn die kleinen Anstalten den Ehrgeiz aufgeben, ihren Personalapparat den großen Anhalten anzugleichen. Der Bismarck-Vorschlag, einmal Pause zu machen, würde kaum zu Buche schlagen, denn der personelle wie der technische Apparat blieben davon nahezu unberührt.

Gerade bedenklich wäre allerdings die Einchränkung der regionalen Berichterstattung, denn Zeitungssterben und der zunehmende Trend in regionalen Zeitungsmonopolen machen Rundfunk und Fernsehen immer mehr zu einem Korrektiv. Das sollten die Intendanten nicht leichtfertig aufgeben.

Dennoch sollten sich die Intendanten, die sich finde August auf einer Konferenz über diese Probleme unterhalten werden, nicht von jenen Politikern und Publizisten in ihren Sparplänen beirren lassen, die vor Jahresfrist noch gegen eine Gebührenerhöhung zu Felde zogen und nun ammern, wenn die Anstalten endlich beginnen, mit dem Groschen zu rechnen. Für 10,50 Mark Am Monat wird das Publikum im Schnitt immer hoch ganz gut bedient. Gunhild Freese