Von Rainer Frenkel

Unter den deutschen Autobauern breitet sich von Woche zu Woche deutlicher spürbar eine handfeste Krisenstimmung aus. Das erkennt der Außenstehende paradoxerweise daran, daß die Autobosse gerade in den letzten Tagen und Wochen – gefragt und ungefragt, mit nach Sprachregelung klingenden nahezu gleichlautenden Worten – genau das Gegenteil behaupten.

Wenn es auch nicht allen gleich gut und schon gar nicht gleich schlecht geht, so besteht seltene Einmütigkeit darüber, Optimismus zu verbreiten, wo immer man an die Öffentlichkeit tritt. Nicht mehr der Jammer, die Klage sind die bevorzugten strategischen Mittel, sondern Schönfärbereien, sachlich kaum begründbare optimistische Äußerungen.

Der Grund für diesen taktischen Wandel ist einleuchtend: Es gilt, die psychologisch ausreichend verwirrten und darum kaufunlustigen Kunden nicht noch weiter zu beunruhigen, auch nicht durch eine allzu realistische Schilderung der Situation. Heute mag ohnehin niemand voraussagen, wie es weitergehen wird. Der an Sepp Herbergers Weisheiten erinnernde Spruch: "Nie waren die Prognosen so schwierig wie heute" trifft haargenau die Lage in der Autoindustrie.

Sicher ist augenblicklich nur, daß es auch nicht den geringsten Anlaß gibt, mit einem raschen Ende der Auto-Absatzkrise zu rechnen, das allein die Arbeitsplatzsorgen zerstreuen könnte. Hinter der Hand raunt man gar, was wir bis jetzt erleben, sei alles nur Vorspiel; das richtige Drama käme erst im Herbst auf die Bühne. Aber auch das sind nichts als Vermutungen oder Befürchtungen, die man nicht laut werden läßt.

Was bis jetzt geschehen ist, drückt eine Zahl am besten aus: Im ersten Halbjahr wurden in der Bundesrepublik 25 Prozent weniger Autos zugelassen als ein Jahr zuvor. Auf den Auslandsmärkten ist es kaum besser, so daß die Produktion fast im gleichen Ausmaß zurückgefahren werden mußte. Kurzarbeit und Entlassungsaktionen waren nicht zu vermeiden. Wenn es dabei bleibt, wird die Branche Ende dieses Jahres ebenso viele Menschen beschäftigen wie zur Jahreswende 1965/66.

Wahrscheinlich wird aber diesem Tief nicht, wie früher immer, eine rasche Erholung folgen. Denn die Motive der heutigen Käuferunlust unterscheiden sich von denen früherer Jahre. Diesmal handelt es sich nicht allein um konjunkturelle Störungen.