Die drei Garantiemächte des Zypern-Abkommens von 1960 – Großbritannien, Griechenland und die Türkei – haben am Dienstag eine Übereinkunft unterzeichnet, die die türkische Regierung zur Verringerung, aber nicht zum völligen Abzug ihrer Invasionstruppen verpflichtet. Weitere Zugeständnisse an die Türken sind:

  • Sie dürfen die militärische Kontrolle auch über die Gebiete ausüben, die sie erst nach dem Waffenstillstand vom 22. Juli besetzt haben (siehe Karte).
  • Falls die türkische Minderheit sich von ihren griechischen Mitbewohnern bedroht fühlt, kann die türkische Invasionstruppe intervenieren.
  • Beiden Volksgruppen auf der Insel – die türkische umfaßt 20 Prozent der Einwohnerschaft – wird die Selbstverwaltung zugestanden.

Alle Streitkräfte auf Zypern werden aufgefordert, "von feindseligen und offensiven Tätigkeiten Abstand zu nehmen". Britisches, griechisches und türkisches Militär soll gemeinsam die Trennungslinien des Waffenstillstands festlegen. Ihm werden Offiziere der UN-Friedenstruppe zur Seite stehen.

Das Abkommen ist das Ergebnis von sechstägigen zähen Verhandlungen, die sich oft am Rande des Abbruchs bewegten. Es ebnet den Weg für eine zweite Konferenzphase im August in Genf, die sich mit der zukünftigen Verfassung des Inselstaates beschäftigen soll. An dieser Konferenz sollen auch die Führer der beiden Volksgruppen beteiligt werden.

Der britische Außenminister James Callaghan erklärte vor Journalisten, die Deklaration von Genf erlaube es Griechenland und der Türkei, "sich ehrenhaft von dem Zustand des Beinahe-Kriegführens zurückzuziehen". Für die Zyprer bedeute die Deklaration einen ersten Schritt in Richtung auf die Wiederherstellung von Vertrauen und Sicherheit. Er sagte jedoch warnend, daß es noch viele Schwierigkeiten gebe.

Callaghan unterstrich die wertvolle Rolle der Vereinigten Staaten bei der Suche nach einer Regelung. Die UN-Truppe auf Zypern muß nach Ansicht des britischen Außenministers beträchtlich verstärkt werden, um ihren Aufgaben gerecht werden zu können. Diegenaue Zahl hänge von der Größe der einzurichtenden Pufferzonen ab. Gegenwärtig beläuft sich die Stärke der UN-Truppe auf 3000 Mann.

In Griechenland, wo die Mobilmachung am Wochenanfang andauerte, hat Ministerpräsident Karamanlis der ersten Woche seiner Amtszeit die Kabinettsbildung abgeschlossen. Seine Regierung der "nationalen Einheit" reicht von Mitte-links bis rechts.

Karamanlis versprach Parlamentswahlen sechs Monate nach Aufhebung des Belagerungszustandes, dessen Dauer vom Zypernkonflikt abhängig ist, klammerte aber die Frage nach der zukünftigen Staatsform Griechenlands einstweilen aus; er verkündete eine Amnestie für alle politischen Straftäter und ließ die Gefängnistore für Hunderte von Häftlingen öffnen. 40 Deportierte kehrten von der Felseninsel Jaros heim. Auch viele Emigranten sind zurückgekehrt.