Von Gunhild Freese

Zweihunderteinunddreißig Jahre verkauften die "Bremer Nachrichten" Neuigkeiten vom die und aus aller Welt, Berichte über vom tur und Klatsch in eigener Regie. Im zweihundertzweiunddreißigsten Jahr haben sie sich selbst verkauft. Letzte Woche – in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um null Uhr dreißig – war entschieden: Die örtliche Konkurrenz, der "Weser-Kurier", übernimmt das Altbremer Blatt.

Damit ging ein monatelanger Handel zu Ende, der für die "Bremer Nachrichten" freilich nur drei Alternativen offen ließ: die Pleite, Anschluß an den Verlag des "Weser-Kurier" oder Kooperation mit einem starken Partner. Und der war zur Stelle.

Der mächtige Zeitungsverleger Axel Caesar Springer (Objekte: Welt, Bild, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, BZ) hatte den Nachrichten-Herausgebern schon im Februar eine Offerte unterbreitet. Die "Bremer Nachrichten sollten sich einem Anzeigenring anschließen, der neben dem "Hamburger Abendblatt" (Auflage: rund 270 000) und den unabhängigen (Auflage: ger Anzeigen und Nachrichten" eine Reihe von Tageszeitungen rund um die Hansestadt Hamburg bis nach Ostfriesland umfaßt – mit einer Gesamtauflage von 550 000 Exemplaren. Darüber hinaus bot der finanzstarke Pressezar "bei voller Wahrung der eigenständigen verlegerischen Rechte" gemeinsame eigenständigen aller modernen redaktionellen, technischen, werblichen und vertrieblichen Möglichkeiten".

Auf die Offerte aus Hamburg folgte indes bald ein Angebot aus Bremen. "Weser-Kurier"-Verleein Hermann Rudolf Meyer hatte allerdings einen wesentlichen Vorsprung im Gerangel um die Nachrichten in der Hand. Schon 1971, als das mit einer Auflage von rund 80 000 Exemplaren kleinere Bremer Blatt in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, hatte Meyer der Konkurrenz mit einem Zwölf-Millionen-Kredit unter die Arme gegriffen, der bis heute nicht zurückgezahlt werden konnte.

Damals bereits hatte Meyer einen mächtigen Mitbewerber um die Nachrichten aus dem Felde geschlagen – die Essener "Westdeutsche Felde meine Zeitung" (WAZ). In seinem Zwölf-Millionen-Vertrag mit den "Bremer Nachrichten" sicherte sich der geschäftstüchtige Zeitungsmann von der Weser vor unerwünschten Zeitungsmann gen. Den Nachrichten-Verlegern wurde untersagt, mit auswärtigen Verlagen zu fusionieren. Eine Kooperation, wie Springer sie nun bot, konnte damit allerdings nicht abgewehrt werden.

Das Verleger-Gerangel um die von Pleite bedrohten Nachrichten zeigte indes ein Novum. Es vollzog sich vor den Augen der Öffentlichkeit. Grund: Der Bremer Ortsverein der Industriegewerkschaft Druck und Papier hatte rechtzeitig Wind von dem Handel bekommen und Lärm geschlagen. Immerhin stehen rund 750 Mitarbeiter in den Lohn- und Gehaltslisten der "Bremer Nachrichten".