Zu einer "Bereinigung" in der Presse war es erst im April im deutschen Südwesten gekommen. Nachdem die "Süddeutsche Zeitung" ihren 25-Prozent-Anteil an den "Stuttgarter Nachrichten" der Konkurrenz "Stuttgarter Zeitung" abgetreten hatte, beherrscht nun die Stuttgarter Zeitungsverlag GmbH die "Stuttgarter Zeitung", die "Stuttgarter Nachrichten", die "Südwest-Presse" in Ulm sowie die "Neue Württembergische Zeitung". Mit Nebenausgaben erreicht der Pressepool eine Auflage von über 600 000 Exemplaren.

Verbindungen mit Stuttgart haben allerdings auch die Verlegerin der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ), Luise Madsack, sowie die Ludwigshafener Rheinpfalz GmbH mit einer Beteiligung an dem neuen Pressekonzern von jeweils knapp 30 Prozent – beides Auflagengiganten im deutschen Pressewesen. Die HAZ bringt es auf knapp 400 000, die "Rheinpfalz" auf über 230 000.

Innerhalb der letzten zwölf Monate wurden überdies die Zeitungsmärkte von Hannover, Saarland und der Pfalz neu geordnet. So gab in der niedersächsischen Metropole das SPD-Blatt "Neue Hannoversche Presse" die Hälfte seines Gesellschaftskapitals an die HAZ. Und das "Göttinger Tageblatt" tauschte mit Hannover Gesell schafteranteile.

Die "Saarbrückener Zeitung" (49-Prozent-Teilhaber: Handelsblatt-Verleger Georg von Holtzbrinck) erwarb die "Saarbrücker Landeszeitung" und verkaufte die "Trierische Landeszeitung" an die Lokalkonkurrenz "Trierischer Volksfreund" weiter.

Das Fusionskarussell soll freilich bald unter die Kontrolle des Bundeskartellamtes geraten. In Bonn steht die Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen an. Neu für Presseunternehmen: Bringen die fusionsbereiten Unternehmen einen Umsatz von 25 Millionen Mark und eine Auflage von 80 000 Exemplaren zusammen, hat das Kartellamt das letzte Wort.