Die Waschmittelindustrie will den Preisstopp mit einem Produktionsstopp kontern

Italiens Hausfrauen flüstern sich hinter vorgehaltener Hand zu: "Kaufen Sie Waschmit- – tel, bald gibt es keine mehr." In der Tat ist das weißmachende Pulver bei vielen Händlern bereits ausgegangen. Andere verkaufen ihre Restbestände zu Schwarzmarktpreisen.

Wieder einmal hat der nunmehr seit einem Jahr andauernde Preisstopp in Italien die Spekulation bei Konsumgütern angeheizt. Italiens Waschmittelhersteller kaufen nämlich seit Mitte Juni kein Rohmaterial mehr. Die Manager beobachten untätig, wie die Lagerbestände immer kleiner werden. Wenn sie verbraucht sind, wird die Produktion eingestellt; so hat es der Verband der italienischen Waschmittelindustrie beschlossen.

Die Maßnahme kam nicht von ungefähr. In den letzten acht Monaten wurde den Abgesandten dieses Industrieverbandes bei den Behörden in Rom viermal eine Preiserhöhung versagt. Denn ihre Erzeugnisse gehören zu den 20 Gruppen von konsumnahen Gütern, deren Preise seit dem 28. Juni 1973 eingefroren sind.

Den Waschmittelproduzenten halfen die besten Argumente nicht: So seien die Kosten innerhalb Jahresfrist ungewöhnlich gestiegen. Allein Verpackung und Transport, so rechneten sie den Preisrichtern vor, sind um 100 Prozent teurer geworden. Für Rohstoffe müssen zwischen 50 und 290 Prozent mehr ausgegeben werden. Insgesamt rechnet der Verband mit fast 100 Milliarden Lire (400 Millionen Mark) Verlust in diesem Jahr.

Italiens Weißmacher sind der Ansicht, daß die nationalen Chemiekonzerne ein unsauberes Spiel getrieben haben. Ihnen erlaubte die staatliche Aufsichtsbehörde im Januar Preisaufschläge von 40 Prozent. Und dies, obwohl die meisten Produkte bereits vorher wesentlich teurer geworden waren. Als Antwort auf den Preisstopp strichen die Chemiekonzerne nämlich Rabatte, die früher allgemein und großzügig gewährt worden waren. Zum Teil hatten die großen Grundstoffhersteller den Verkauf ihrer Produkte kleineren Konzernfirmen übertragen, die mit weniger als fünf Milliarden Lire (20 Millionen Mark) Umsatz dem staatlichen Preisstopp in diesem Produktbereich nicht mehr unterliegen.

Einige Waschmittelhersteller sind besonders böse auf das Firmenkonglomerat Montedison. Ihnen kommt es seltsam vor, daß sie von dem Chemiekonzern gewisse Grundstoffe nicht zum abgesprochenen Termin erhielten, während die Waschmittelfirma Snia Casa nicht über Nachschub klagen konnte. Auffällig ist dies besonders, weil Montedison neuerdings mit 50 Prozent an der Snia Casa beteiligt ist.