Mit Preisnachlässen der Brüsseler Agrarbehörden machte eine französische Firma Millionengewinne bei Rindfleischexporten in die Sowjetunion

Immer wenn Westeuropas Kühlhäuser von Butter und Fleisch überquellen, ist auch die französische Firma Interagra zur Stelle. Ihr Inhaber, der Millionär und Förderer der Jean-Baptiste schen Partei Frankreichs, Jean-Baptiste Doumeng, weiß nämlich, wohin mit den Überschüssen: ab nach Osten.

Mit 200 000 Tonnen unverkäuflicher EG-Butter, die er in die Sowjetunion lieferte, hatte der linke Millionär Doumeng im vergangenen Frühjahr ein Millionengeschäft gemacht. Seine ansehnlichen Gewinne erzielte er mit Sondersubventionen aus dem EG-Agrarfonds, mit deren Hilfe die Butter zu 16 Prozent des Einstandspreises aus den EG-Beständen abgegeben wurde.

Aufgeschreckt durch die Proteste der Öffentlichkeit wollen die EG-Behörden eine Wiederholung des Subventions-Skandals trotz des stetig wachsenden Rindfleischbergs nicht riskieren. Entrüstung rief deshalb die Meldung einer amerikanischen Zeitung hervor, EG-Kommissar Petrus Josephus Lardinois habe mit sowjetischen Diplomaten über Rindfleischverkäufe zu Sonderkonditionen gesprochen. –

Derartiger diplomatischer Unterstützung hätte es auch gar nicht bedurft. Der Handel war schon längst unter Beteiligung der französischen Firmen Dreyfuss, Salomon und Wolff zustandegekommen.

Wie der Brüsseler Informationsdienst "Europolitique" meldet, gingen 50 000 Tonnen EG-Fleisch als erste Lieferung an die Sowjets ab, über einen zweiten Vertrag von 25 000 Tonnen wird zur Zeit verhandelt.

Agrar-Kommissar Lardinois wußte in der vergangenen Woche nur von 7000 Tonnen, die schon gen Osten unterwegs sind. Auf die Mögl chkeit nationaler französischer Subventionen zum Ausgleich der fehlenden Spritze aus der EG-Bauernkasse angesprochen, fühlte sich der Kommissar "überfragt". Auch ohne Sondersubventionen fanden die Händler gefallen an der Transaktion. Schon längst hatten die von Überschußsorgen geplagten Bürokraten mit der sogenannten Kopplungsvorschrift ein Mittel ersonnen, das ganz im Sinne der Händler war. Danach durfte Rindfleisch aus Drittländern in die EG nur angeführt werden, wenn der Importeur die gleiche Menge aus den EG-Beständen kaufte. Hierauf erhielt er einen Preisnachlaß von 20 Prozent, wenn er die Punktmenge exportierte.

Mit Hilfe dieser Preisklausel der Koppelungsvorschrift, die allerdings seit der Verhängung des totalen Einfuhrstopps der EG nicht mehr angewendet wird, machten "Interagra" und seine Partner einen Gewinn von 1,5 Mio. Francs. hhb