Von Rudolf Herlt

Die Prüfer kommen!" – mit diesem Entsetzensschrei würden Bankangestellte, um ihren Arbeitsplatz bangend, die Alarm- – sirenen auslösen, wenn behördeneigene Prüfer der Bankenaufsicht einem Institut ihr Erscheinen ankündigen. Im Handumdrehen wüßten es andere Banken und bald auch die Gläubiger. Die Bank, deren Gesundheitszustand geprüft werden sollte, wäre schon tot, ehe der erste Prüfer den Fuß über die Schwelle des Hauses setzt.

Das gleiche würde passieren, wenn die Bankenaufsicht einer Bank eine Sonderprüfung androht. Das Recht dazu hat die Behörde, wenn sie befürchten muß, daß das Eigenkapital der Bank aufgezehrt ist oder das Institut zahlungsunfähig wird. Auch da würde schon die Ankündigung den Tod des Instituts bedeuten.

Deshalb hat sich das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen auch im Fall Herstatt gescheut, eine Sonderprüfung im Sinne des Gesetzes vornehmen zu lassen. Präsident Günther Dürre hat lediglich den Abschlußprüfer Karoli gebeten, bei der Prüfung des Abschlusses 1973 besonders auf das Devisengeschäft zu achten Und darüber zu berichten.

Einen eigenen Prüfungsapparat hat die deutsche Bankenaufsicht nicht. Der Gesetzgeber hatte Angst, daß die Prüfer wie Klageweiber empfangen würden, die in ein Sterbezimmer eindringen, solange der Patient noch lebt.

In den USA wurde ein Ausweg aus diesem Dilemma gefunden. Dort sind insgesamt 6000 Beamte und Angestellte in der Bankenaufsicht tätig. Sie verteilen sich auf vier Behörden (Controller of the Currency‚ die Aufsichtsabteilung des Zentralbanksystems, die staatliche Einlagenversicherung und die Aufsichtsbehörden der Einzelstaaten). Diese 6000 Menschen haben etwa 14 000 Institute zu prüfen, deren Bilanzvolumen etwa zweieinhalbmal so groß ist wie das der rund 7000 Institute in der Bundesrepublik.

Wenn sich die deutsche Bankenaufsicht personell mit der amerikanischen messen wollte, müßte Günther Dürre 2300 Mitarbeiter haben. Tatsächlich hat er aber nur 180. Die Hälfte von ihnen sind im Investmentgeschäft, der Bausparkassenaufsicht und mit der Abwicklung des Westvermögens der unter Treuhandschaft stehenden Ostinstitute beschäftigt. Nur 90 sind unmittelbar in der Bankenaufsicht tätig.