Die Sensation kam mit dem dritten Modell.

Von Marietta Riederer

Paris, im August

Was zu erwarten war, ist eingetroffen. Die Pariser Haute Couture geht konform mit der Mode des Prêt-à-porter: Sie übernimmt die Länge der Röcke und die füllige Weite, oder anders: Sie korrigiert den Übermut der Avantgardisten aus der Konfektion. Sie setzt neue Impulse und gibt neue Trends an. Paris hat sich mit einem Trommelwirbel wieder hörbar gemacht.

Da sind die weiten, schwingenden Pelerinen-Mäntel, die Capes und die glockigen Röcke. Was Rom nicht gelang, nämlich mit neuen Kostümen zu überzeugen, Paris hat es geschafft. Echte Tailleurs, Hosen-Tailleurs, sogar Smoking-Kostüme scheinen große Chancen zu haben, sonst wären sie nicht so zahlreich gezeigt worden. Das Kostüm nach Maß, das "sitzt" und nicht nur "paßt", ist eine krisenfeste Wertanlage.

In der Kollektion von Dior liefen 13 Tailleurs. Aus Whipcord oder kleingemusterten englischen Wollstoffen wurden sie oft mit knappen Westen aus Strickstoff, aber nie mit Stiefeln gezeigt. Sehr lange Seidenfoulards, um den Hals gelegt, im Nacken gekreuzt und die Enden wieder nach vorne geholt, helle Filzhüte mit dunklem Band und lange feste Regenschirme gehören zum neuen Styling. Stiefel sah man bei Dior nur zu fast knöchellangen Zeltmänteln. Kurzstiefel wiederum gehören zu schmalen Hosen, die etwas zu kurz geraten scheinen. "Zigaretten-Hosen" in Knöchellange mit hochhackigen Sandalen gehören zu Abendpyjamas und losen Hemdjacken aus weichen Crepe-Satins oder Laméstoffen. Sie wirken neu und ungewohnt. Marc Bohan von Dior nennt seine Kollektion ultrafeminin und vertritt damit den Trend, den die gesamte Haute Couture einschlägt.

Vielfach wird eine Sehnsucht nach Hollywood-Glanzzeiten spürbar. Motto: Mondschein-Soupers in Beverly-Hills. Also champagnerfarbene Abendkleider, geschmückt mit Chantilly-Spitze, flatterhafte Volantabendkleider aus Seiden-Chiffon in Wickenfarben, Schimmer durch Perlenstickereien, Stirnbänder über Lockenköpfen und hauchdünne, bedruckte Lamé-Kleider. Das alles war in der Kollektion von J.-L. Scherrer zu sehen, der Mann, der Madame Anne-Aymone Giscard d’Estaing anzieht.