Personaleinsparungen beim Bund, so es sie überhaupt einmal gibt, vollziehen sich sichtlich humaner als in der Privatwirtschaft. Dies beweist die Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank (DSLB). Das Institut untersteht der Aufsicht von Landwirtschaftsminister Josef Ertl und Finanzminister Hans Apel. Auf Apels Drängen hat der DSLB-Vorstandschef Hans-Dieter Griesau, früher Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, veranlaßt, daß ein Teil der 780 Mitarbeiter ausscheidet, um so die mit viel Geld installierte Datenverarbeitungsanlage rentabel zu machen.

Griesau will sich indes nicht einfach zu Kündigungen hinreißen lassen. Er entwarf einen großzügigen Sozialplan, in dem er all jenen Geld anbietet, die freiwillig sein Haus, verlassen. Dabei kann beispielsweise eine 40jährige Sekretärin mit zehn Dienstjahren bei der DSLB sich im Zuge der „abgangsfördernden Maßnahmen“ den Abschied mit Mark versüßen lassen. Sie kann sich also erst einmal etliche, schöne Monate machen, ehe sie zu einem der vielen anderen öffentlichen oder privaten Arbeitgeber geht, die dringend um sie werben. In anderen Fällen ist Griesau noch großzügiger: Die maximale Abfindung beläuft sich auf rund 60 000 Mark. Er selbst nennt diese Zahlenbeispiele freilich „ganz extrem“. Bislang seien 42 DSLB-Mitarbeiter ausgeschieden, doch in keinem Falle hätten sie solche Summen kassieren können.

Daß Ministerialdirigent Helmut Debatin aus dem Finanzministerium nun „Minister“ bei den VereintenNationen wird, ist jetzt hochoffiziell. Das Bonner Auswärtige Amt bestätigte schriftlich, daß UN-Generalsekretär Kurt Waldheim Debatin zum beigeordneten Generalsekretär für Haushalts- und Programmplanung (also praktisch Finanzminister) ernannt hat. Das Auswärtige Amt kommentierte die Ernennung: „Das ist das erste bedeutende Ergebnis der Bemühungen der Bundesregierung, nach dem Beitritt der Bundesrepublik zu den Vereinten Nationen im UN-Sekretariat personell angemessen vertreten zu sein.“

Zwei weitere hohe UN-Posten wurden ebenfalls an Deutsche vergeben: Klaus-Heinrich Standke, bislang Generalsekretär der „European Industrial Research Management Association“ in Paris, wurde Leiter der Abteilung Wissenschaft und Technologie im Department für Wirtschafts- und Sozialfragen des UN-Sekretariats. Ministerialrat Hans Mollenhauser aus dem Gesundheitsministerium wurde Leiter einer Abteilung im Umweltschutz-Sekretariat der UN in Nairobi.

Trotz dieser Besetzung ist die Bundesrepublik bei den UN und den einschlägigen Unterorganisationen, an ihrem finanziellen Beitrag von rund einer halben Milliarde Mark gemessen, personell deutlich unterrepräsentiert. Bonn will nun erreichen, daß in den nächsten vier Jahren jeweils rund 30 deutsche Bewerber für entsprechende UN-Postea berücksichtigt werden.

Claude Cheysson, Mitglied der Brüsseler EG-Kommision und zuständig für „Haushalt und Finanzkontrolle“, hat sich die Bonner Rügen wegen der Brüsseler Haushaltsplanung offenbar zu Herzer. genommen. Aus gegebenem Anlaß – Finanzminister Hans Apel hatte die Kommission erst vor wenigen Wochen anläßlich seiner Haushaltsvorlage beschuldigt, sie schiebe die Pfennige wie beim Skatspiel über den Tisch – nahm Cheysson jetzt in der Zeitschrift „Europäische Gemeinschaft“ Stellung. Nie zuvor sei sich die Kommission ihrer Verantwortung bei der Budgetgestaltung so bewußt gewesen, und nie hätte man sich eine ähnliche Disziplin auferlegt wie gegenwärtig.

Nach dem Eigenlob schoß Cheysson dann – allerdings sehr fein und diplomatisch – nach Bonn zurück. Der Kommissar: „Alle guten Vorsätze der Kommission nützen beispielsweise nichts, wenn die Landwirtschaftsminister in frühen Morgenstunden am Ende einer Marathonsitzung eine Agrarpreiserhöhung beschließen, ohne sich um die im Budget veranschlagte Steigerungsrate zu kümmern.“ Im Klartext heißt das: Hans Apel solle seine Attacken an Josef Ertl richten und seinen Unmut nicht an den oft unschuldigen EG-Kommissaren auslassen.