Von Rolf Michaelis

Dies kleine Buch, auf den ersten Blick nicht mehr als die Sammlung kürzerer, oft an entlegener Stelle publizierter Texte der Jahre 1972 bis 1974, bezeichnet deutlicher als die beiden größeren Werke aus dieser Zeit – die Erzählung "Wunschloses Unglück", das Stück "Die Unvernünftigen sterben aus" – Peter Handkes Entwicklung von (künstlerisch ungewöhnlich produktiver) Selbstversponnenheit zu selbstbewußtem Weltgefühl –

Peter Handke: "Als das Wünschen noch geholfen hat"; st 208, Suhrkamp, Frankfurt, 1974; 128 S., 5,– DM.

Handke, bisher mit geschlossenen Augen in sich lauschend, im Genuß der eigenen Innenwelt schwelgend ("der Traum war selber schon die Erfüllung", so beschreibt das Schlußgedicht jene Zeit), nimmt Abschied von den Träumen. Er schlägt die Augen auf, läßt Außenwelt einsickern, nicht nur, um wie bisher gleich wieder zurückzusinken und "langausgestreckt in meiner Angst" zu liegen, "analphabetisch von der Entsetzlichkeit außer mir", sondern um geduldig das Leben außer sich wahrzunehmen. Die Texte des in doppeltem Sinn neuen Buches sprechen von einer frischen Welterfahrung, einem beseligenden Selbstgefühl in einer für Handke, den selbsternannten "Bewohner des Elfenbeinturms" neuen Tonart:

"und wirklich mit einem Schlag

wußte ich wieder was ich wollte

und bekam eine Lust auf die Welt."