Zweifelhafte Machenschaften brachten einen Kunsthändler ins Gerede

Hinter die Kulissen des internationalen Kunsthandels leuchtet derzeit ein New Yorker Gericht. Es gewährt der Öffentlichkeit Einblick in die vom Kunsthandel sonst sorgsam gehütete Methode, Kunst in Geld zu verwandeln.

In dem Prozeß, der vor drei Jahren begann und bereits mehr als 14 000 Seiten Protokoll ergeben hat, geht es formell um den Nachlaß des amerikanischen Malers Mark Rothko, der 1970 Selbstmord beging. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht jedoch der Welt mächtigster Manager moderner Kunst: Frank Kenneth Lloyd, 63, Inhaber der Marlborough-Galerien in London und New York; an den Niederlassungen in Rom und Zürich, Toronto, Montreal und Tokio ist er maßgeblich beteiligt. Diesem ersten und bislang einzigen "Multi" unter den zeitgenössischen Galeristen (Jahresumsatz 25 bis 30 Millionen Dollar) werden zweifelhafte Manipulationen bei der Verwertung des Rothko-Nachlasses vorgeworfen.

Der abstrakte Expressionist Mark Rothko hatte kurz vor seinem Freitod eine Stiftung gegründet, die – zugunsten älterer Künstler – sein malerisches Erbe verkaufen sollte. Zu Direktoren der Rothko-Stiftung wurden der Buchhändler des Künstlers, Bernard J. Reis, sein Freund, der unbekannte Maler Theodoros Stamos, und der Anthropologe Morton Levine bestellt.

Zwei dieser Direktoren wußte Frank Lloyd flugs an sich zu binden. Reis, inzwischen auch Nachlaß-Verwalter Rothkos, wurde Direktor und Schatzmeister der New Yorker Marlborough-Galerie; Stamos wurde von der sonst nur mit arrivierten Künstlern handelnden Galerie in ihre Künstler-Liste aufgenommen.

Bald nach Rothkos Selbstmord verkaufte die Stiftung 100 der insgesamt 798 nachgelassenen Werke an die Marlboroügh-Galerie. Während gute Arbeiten des Malers auf amerikanischen Auktionen damals bis zu 130 000 Dollar (ohne Kommissionsgebühren) erzielten, zahlte Frank Lloyd für die 100 Bilder – er dürfte sich nicht die schlechtesten ausgesucht haben – nur 1,8 Millionen Dollar.

Das Geld mußte nicht sofort bezahlt werden. Die Direktoren der Stiftung waren mit einer Abschlagszahlung von 200 000 Dollar zufrieden; die Restsumme wird zinslos in zwölf Jahren abgestottert. Außerdem wurde der Galerie eine Option auf die restlichen 698 Bilder und eine (ungewöhnlich hohe) Provision von 50 Prozent der Verkaufserlöse eingeräumt.