Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann – Unbedingt:

Luigi Nono: "Como una ola de fuerza y luz/Y entonces comprendio"; Slavka Taskova (Sopran), Maurizio Pollini (Klavier), Symphonie-Orchester des Bayrischen Rundfunks, Dirigent: Claudio Abbado; DGG 2530 436, 25,–DM

Wie eine Flut von Kraft und Licht: 1971 starb in Chile durch einen Unfall der Leiter der "Bewegung der revolutionären Linken", Luciano Cruz; auf Texte eines gemeinsamen Freundes schrieb Luigi Nono so etwas wie einen musikalischen Nachruf. Wieder politische Texte mit autonomen musikalischen Mitteln konfrontiert – Nono scheint in der Tat der einzige zu sein, dem es gelingt, politisierte Musik derart zu machen, daß Intention wie Komposition einander hochtreiben, dialektisch beleuchten und somit steigern. Intensiv gefärbte Klangfelder, eine brillant exerzierte Klaviertechnik, die zum Ausgang für strukturierte Klangexperimente wird, die Überlagerung einer Singstimme mit sich und Instrument und Chor und Orchester – das Ganze in dem Brio der Interpretation Abbados: ein erstklassiges Beispiel dafür, daß Avantgarde nicht nur Spielerei im elfenbeinernen Turm sein muß.

Nach Möglichkeit:

Ludwig van Beethoven: "Die späten Streichquartette op. 127–135"; Végh-Quartett; Telefunken SKA 25 113-T/l–4, 59,– DM

An Beethovens späten Quartetten sollt Ihr sie erkennen: Die hochsensiblen und strukturell kompliziertest gebauten Meditationsmusiken sind zum Prüfstein für Quartett-Kultur geworden. Gegen das Schönklang-Pathos des Amadeus-Quartetts, die herbe Brillanz von Juilliard, die dramatischen Ausbrüche des Ungarischen und die nüchterne Sachlichkeit von LaSalle gibt es hier eine modernisierte Empfindsamkeit. Die Véghs haben sich aus einem Tief wieder hinaufsteigern können zu Ausdruckskraft und Präzision, zu analytischer Klarheit und leuchtender Farbigkeit – eine im Repertoire durchaus notwendige Kategorie. Für Freunde vergleichender Interpretation könnte die Kassette gewissermaßen die Mittelachse bilden.

Vielleicht: