Zweimal größer ist das Risiko des Zwei-Schachteln – pro – Tag – Zigaretten – Rauchers, sich Mund-, Lippen- oder Rachenkrebs einzuhandeln, als das eines Nichtrauchers. Dasselbe Risiko läuft ein Trinker, der jeden Tag regelmäßig mehr als vier Bier, drei Whiskys oder eine halbe Flasche Wein trinkt. Wenn der starke Raucher zusätzlich ein starker Trinker ist, so erhöht sich das Risiko gegenüber einem nichtrauchenden Alkoholabstinenten, an einem oralen Krebsleiden zu erkranken, auf das Fünfzehnfache.

Die für Alkohol- und Nikotinfreunde deprimierende Statistik ist in einem 219 Seiten umfassenden Report nachzulesen, den die amerikanische Regierung unlängst veröffentlichte. Herausgeber der Studie ist das US-Gesundheitsministerium, das dem Kongreß zum zweiten Male eine Untersuchung über Alkohol und Gesundheit präsentierte (der erste Report erschien 1971).

Auf 25 Milliarden Dollar schätzt Dr. Morris Chafetz, Direktor des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism, die Kosten, die in den Vereinigten Staaten jährlich direkt oder indirekt als Folge übermäßigen Alkoholkonsums entstehen, etwa im Gesundheitswesen, durch ausgefallene Produktionszeiten oder durch Trunkenheit am Steuer. In der Bundesrepublik entstünde, (bei Anwendung der statistischen Faustregel, US-Zahlenangaben zu vierteln) demnach ein Alkoholschaden von umgerechnet etwa 15 Milliarden Mark pro Jahr.

Außer dem statistisch signifikanten Nachweis, daß zwischen Alkoholkonsum und bestimmten Krebserkrankungen ein Zusammenhang besteht – ein Ergebnis, das für sich genommen schon besorgniserregend genug ist – weist Alkoholforscher Chafetz auf einen weiteren, ebenfalls betrüblichen Befund des Gesundheitsreports hin: Bei den unter zwanzigjährigen Amerikanern ist Alkohol schon so beliebt, daß die Mediziner bereits von einem "Jugend-Alkoholismus" sprechen. So gab einer von sieben Befragten männlichen High-school-Teenagern zu, daß er wenigstens einmal pro Woche betrunken sei. Und 36 Prozent der Oberschüler in den höheren Klassen meinten, sie würden sich mindestens viermal im Jahr vollaufen lassen.

Als sicher kann nach den Report-Fakten andererseits gelten, daß die durch Alkoholkonsum hervorgerufenen Probleme mit ihren für Volkswirtschaft und Gesellschaft oft verheerenden Folgen stets mit übermäßigem Spritkonsum, nicht aber mit maßvollen Trinkgewohnheiten zusammenhängen.

In Maßen genossen hat Alkohol sogar positive Wirkung, wie der amerikanische Trinker-Forscher aus den Erhebungsdaten errechnete. "Wenig-Trinker", so Chafetz nach Durchsicht der Mortalitätsstatistik, "erleiden seltener Herzinfarkte als schwere Trinker, ehemalige Alkoholiker oder Abstinente." kk