Steckt der Iran hinter dem Kursaufschwung der Volkswagenaktien? Kaufen die Araber Citygrundstücke in Hamburg und Frankfurt? Steigt der Schah bei Bayer ein? Noch grassieren nur Gerüchte über orientalische Kaufabsichten. Aber was im Falle Krupp noch eine Sensation war, kann sehr schnell zur Routine werden: daß die Ölförderländer des Nahen Ostens sich an deutschen Firmen beteiligen – denn die Petrodollar rollen. Schon 1974 werden die Erdölproduzenten 72 Milliarden Dollar kassieren. Binnen zehn Jahren können sie über eine Billion Dollar an Öleinkünften verfügen. Wo sollen sie schon hin damit? Nur einen Teil können sie bei sich selber investieren. Den Rest werden sie in den Industrieländern anlegen.

Der Geldstrom aus dem Morgenlande wird nicht nur mit eitel Freude erwartet. Schon werden mancherorts Ressentiments laut, macht sich an Stammtischen Sorge breit. Wird Europa jetzt an Levantiner verschachert? Droht nach der amerikanischen nun die arabische Herausforderung?

Von Sachverstand ist derlei fremdenfeindliches Gezeter kaum getrübt. Die Dollarflut schwillt an. Sie muß kanalisiert werden, wenn das Weltwährungssystem nicht endgültig zusammenbrechen soll. Um die Gefahr abzuwenden, hat die Europäische Gemeinschaft den Dialog mit den Arabern begonnen. Bis er zu einem Ergebnis führt, wird viel Ölgeld in die Bundesrepublik fließen. Sie kann den nahöstlichen Partnern eine fruchtbare Zusammenarbeit anbieten: Know how und sichere Anlagewerte gegen garantierten Ölfluß und dringend benötigtes Kapital.

Ein Ausverkauf steht nicht zu befürchten. Die tüchtigen Geschäftsleute aus dem Nahen Osten werden sich vor Übermut hüten – schon, damit sich das Instrument der Verstaatlichung ausländischer Firmen nicht zur Abwechslung gegen sie kehrt. "Zehrt Euren Besitz nicht untereinander auf durch Falsches, sondern verdient mit gegenseitigem Einverständnis" – so befiehlt es der Koran. Das ist ein gutes Motto für eine einträgliche Wirtschaftskooperation zwischen Abendland und Morgenland. D. B.