Bisher waren es die Bundestagsfraktionen, die auf dem Forum des Parlaments das Profil ihrer Parteien prägten. Jetzt zeichnet sich ein Wandel ab. Das Erscheinungsbild der CDU wird hauptsächlich von ihrem Generalsekretär Biedenkopf und dem Vorsitzenden Kohl bestimmt. Bei der SPD bahnt sich eine ähnliche Entwicklung an: Der zurückgetretene Kanzler Brandt hat sich als Parteivorsitzender vorgenommen, die langfristigen Perspektiven sozialdemokratischer Politik deutlich zu machen.

Der FDP hingegen fehlt derzeit ein Politiker, der über das Tagesgeschäft hinaus die Prinzipien liberaler Politik repräsentieren und entwickeln könnte. Das offenbart sich in der Verlegenheit, einen Nachfolger für den vor einem Jahr verstorbenen Generalsekretär Flach zu finden. In seine Fußstapfen hätte am besten Werner Maihofer treten können. Aber als in die Regierungsgeschäfte eingebundener Innenminister steht er der FDP nur noch indirekt als Programmatiker zur Verfügung; das gilt auch für den designierten Parteivorsitzenden Genscher.

Als Kandidaten für den Posten des Generalsekretärs sind Gerhart Baum, Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, und Martin Bangemann, Vorsitzender der baden-württembergischen FDP, im Gespräch. Doch können sie, gemessen an Flach, den liberalen Part in der Koalition verkörpern und programmatische Antriebe geben? Ein überzeugender Interpret des Liberalismus, der frei von Rücksichten auf die Regierung wäre, ist noch nicht in Sicht. Die FDP braucht einen "General", aber sie verfügt derzeit nur über Obristen. C.-C. K.