Gerecht ist, wenn alle das gleiche bekommen. Gemäß dieser sozialen Faustregel wurde das Kindergeld reformiert. Vom nächsten Jahr an gibt es für Kinder keine Freibeträge mehr auf der Lohnsteuerkarte, die–je nach steuerlicher Belastung – zu unterschiedlicher Steuerersparnis führen. Statt dessen erhält jeder auf Antrag über das Arbeitsamt 50 Mark für das erste, 70 Mark für das zweite und 120 Mark für jedes weitere Kind – gleichgültig ob der Vater kleiner Angestellter, Beamter oder Multimillionär ist.

Ganz gleichgültig ist dies dennoch nicht. Für viele Bezieher mittlerer und höherer Einkommen ist die neue Kindergeldregelung weniger vorteilhaft als bisher – es sei denn, sie seien Beamte oder Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Um den "Besitzstand zu wahren", will der Staat seinen Dienern über eine Erhöhung der Ortszuschläge einen Ausgleich für eventuelle Einbußen beim Kindergeld verschaffen.

Wieso dürfen Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst keine Einbußen erleiden, während bei allen anderen Arbeitnehmern niemand danach fragt, ob durch die Steuer- und Kindergeldreform ihr "Besitzstand" geschmälert wird? Staatsdiener haben offenbar einen Anspruch darauf, gleicher als andere behandelt zu werden. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, daß wieder einmal Gesetze von Beamten für Beamte gemacht werden.

mj