Mit immer neuen Eingriffen wollen die Preiskontrolleure der Inflation Herr werden

Die römischen Inflationsbekämpfer haben nach dem Fehlschlag ihrer Preisstopp-Politik den Eindruck gewonnen, daß es nicht mehr genügt, nur die Preise von Staats wegen festzulegen. Deshalb versuchen sie nun, über eine Reglementierung der Warenqualität die Versorgung der Bevölkerung preiswert sicherzustellen.

Als Exerzierfeld dient ihnen der Waschmittelmarkt, in dem für ein immer noch weißeres Weiß hohe Werbeaufwendungen gemacht wurden. So soll nun die Industrie Einheitswaschmittel auf den Markt bringen. Die teure Markenartikel Werbung, so kalkulieren die Behörden, wird damit überflüssig, das Angebot billiger. Die Hausfrau weiß: Ein Weiß ist wie das andere.

Den Produzenten soll dabei nicht verboten werden, "feinere" Waschmittel mit Zusätzen von Zitrone, Salbei und anderen Ingredienzien herzustellen und zu einem freien Preis zu verkaufen.

Was aber das Einheitshandwaschmittel kosten darf, das konnten die Italiener ihrer "Gazetta Ufficiale", dem amtlichen Bekanntmachungsblatt der Regierung, schon entnehmen: höchstens 600 Lire das Kilo – etwa 2,40 Mark. Auch für Maschinenwaschpulver und Spülmittel gibt es nun Einheitspreise.

Nicht zum erstenmal gehen die italienischen Preisüberwachungsbehörden diesen Weg. So gibt es seit Jahren das Einheitsbrot. Vorgeschrieben sind dabei Preis, Gewicht, Bestandteile und Packart. Allerdings muß man schon sehr früh aufstehen, wenn man davon in der Bäckerei einen Laib erwischen will. Normalerweise fand man zumindest bis zum Beginn des vollständigen Preisstopps für Brot im Juli 1973 nur die phantasiereicheren Brotsorten, die frei verkauft werden durften. Diese Entwicklung dürfte sich bei den Waschmitteln wiederholen.

Trübe Erfahrungen bescherte insgesamt der im Sommer 1973 verhängte und nach einjähriger Dauer jetzt aufgehobene Preisstopp für 21 Güter des täglichen Bedarfs. Von Juli bis September vorigen Jahres ging die Inflationsrate zwar auf 0,5 Prozent im Monat hinunter. Aber dann verpuffte die Wirkung: Die Qualität der Güter ließ nach, manche Waren verschwanden überhaupt vom Ladentisch, bei anderen mußten die Preise nach Demonstrationen und Drohungen erhöht werden. Erste Gesamtbilanz: Im Juni 1974 erreichte die Inflationsjahresrate 17,1 Prozent. Italien hat damit unter den europäischen Industrienationen einen Rekord an Preissteigerungen erzielt.