Von Kai D. Eichstädt

Der Preiskrieg, den sich Linien- und Charterfluggesellschaften seit zehn Jahren über dem Nordatlantik liefern, geht zu Ende. Seit Mitte Juli verhandeln die zerstrittenen Konkurrenten in Montreux über ein Abkommen, das beiden Seiten eine friedliche Zukunft sichern soll. Zum erstenmal in der Geschichte des internationalen Flugverkehrs wollen Charter- und Linienflieger ihre Preispolitik miteinander abstimmen.

Den Ausschlag zu dem Treffen am Genfer See gab die Entwicklung der Ölpreise seit dem Embargo der Araber vor zehn Monaten. Binnen zwölf Monaten stiegen die Preise für den Jet-Treibstoff Kerosin um rund 300 Prozent. Diese Steigerung, so klagen die Bosse der Luftfahrtgesellschaften, sei verantwortlich für die Verluste, die dieses Jahr erwartet werden. Allein über dem Nordatlantik, so errechnet Michael Donne, Luftfahrtexperte der englischen Wirtschaftszeitung Financial Times, müßten die Fluggesellschaften 600 Millionen Mark Verlust verkraften.

Noch vor zehn Jahren galten die Routen über dem Nordatlantik als die zuverlässigsten Profitquellen. Dieser Zustand änderte sich, als die amerikanische Aufsichtsbehörde für den zivilen Luftverkehr (CAB – Civil Aeronautic Board) 1964 die Bestimmungen für den Charterflugverkehr liberalisierte. Während bis dahin nur rund zwei Prozent der Atlantikpassagiere (1963 waren es 34 260 Reisende) per Charterflugzeug flogen, entwickelte sich in den folgenden Jahren ein Boom ohnegleichen. Im letzten Jahr war bereits jeder vierte Atlantikfluggast Kunde einer Chartergesellschaft.

Der wichtigste Grund für die verbraucherfreundliche Liberalisierung war militärischer Natur. Die starke Lobby der Charterflieger hatte mit Erfolg in Washington um zusätzliche Verdienstquellen gebeten. Und die Regierung konnte diesen Wunsch damals, nicht abschlagen, da sie ihrerseits auf die Chartergesellschaften angewiesen war. Ein Großteil der Lufttransporte für die US-Army wird nämlich von zivilen Fluggesellschaften ausgeführt. Diese drohten, ihre Flugzeuge zu verkaufen, wenn sie sich nicht auch auf dem zivilen Sektor betätigen könnten.

Die Erlaubnis, Passagiere über den Nordatlantik fliegen zu dürfen, war freilich an strenge Bestimmungen geknüpft. So sollten die Charterer nur Gruppen transportieren, die jeweils ein ganzes Flugzeug mieten mußten. Diese Gruppen mußten einem Verein angehören, der wiederum mindestens ein halbes Jahr alt sein mußte.

So umständlich diese Vorschrift war, so leicht war es, sie zu umgehen. So flog zum Beispiel ein amerikanischer Student als Mitglied eines Vereins für mittelöstliche Kultur von New York nach London und flog als Mitglied eines Rugby-Clubs zurück in die Heimat. Beiden Vereinen war er nur pro forma beigetreten, um in den Genuß eines billigen Flugtickets zu gelangen.