Das italienische Kabinett Rumor beriet am Dienstag über die Bekämpfung des Bombenterrors, der in Italien eine Atmosphäre der Angst verbreitet. Nach Angaben aus Regierungskreisen bereitet das Kabinett ein Gesetz vor, das die Verbannung von mutmaßlichen Terroristen – wie schon früher bei Mafiaangehörigen – vorsieht. Die Regierung steht dabei unter dem Druck der Gewerkschaften und der politischen Linken.

Anlaß für die forcierten Bemühungen, dem Terrorismus beizukommen, war der Bombenanschlag auf den Rom-München-Expreß, bei dem es am Sonntag bei der Fahrt durch einen Apennin-Tunnel 12 Todesopfer – allein drei Angehörige einer Meraner Familie – und 40 Verletzte gab. Die Täter werden in rechtsradikalen Kreisen vermutet. In einer Telephonzelle in Bologna wurde ein Flugblatt gefunden, auf dem sich die neofaschistische Untergrundorganisation "Schwarze Ordnung" für das Zugattentat verantwortlich erklärt.

Innenminister Taviani gab bekannt, er sei im Juli vom Neofaschistenführer Almirante informiert worden, daß Extremisten Anschläge auf Schnellzüge vorbereiteten.

Anscheinend als Reaktion auf den Terrorakt wurden am Dienstag in vier Büros der neofaschistischen italienischen Sozialbewegung (MSI) in verschiedenen Stadtteilen Roms Bomben gezündet, wobei erheblicher Sachschaden entstand, aber Menschen nicht zu Schaden kamen.

Eine Zeitung in Bologna berichtete, ein anonymer Anrufer, der sich als Angehöriger der "Schwarzen Ordnung" ausgab, habe neuen Terror angekündigt. Nach seinen Worten ist Padua demnächst für ein Attentat ausersehen. Die Stadt, so soll der Anrufer gesagt haben, müsse die Ermordung von zwei Mitgliedern der MSI im Juni "teuer bezahlen". Für die beiden "Kameraden" sollen dem Anrufer zufolge 200 Personen mit ihrem Leben büßen, weil ein Neofaschist mit 100 Menschenleben aufgerechnet werde.

Die Polizei läßt inzwischen die Mailänder Scala und den Schiefen Turm von Pisa bewachen, nachdem ein anonymer Anrufer mitgeteilt hatte, beide Bauwerke seien die nächsten Objekte von Bombenanschlägen.

Dem Verbrechen im Schnellzug gingen während der letzten fünf Jahre in Italien drei andere schwere Bombenanschläge voraus:

  • 12. Dezember 1969 in Mailand: Anschlag auf die Landwirtschaftsbank, 16 Tote;
  • 18. Mai 1973 in Mailand: Explosion vor dem Polizeipräsidium, vier Tote, 43 Verletzte;
  • 28. Mai 1974 in Brescia: Zeitzünder-Bombe während einer Kundgebung, acht Tote, 94 Verletzte.