Die gespannte Situation auf Zypern hat sich am Dienstag in neuen heftigen Kämpfen entladen. Aus ihrem Brückenkopf bei Kyrenia gingen die türkischen Invasionstruppen unter Einsatz von Granatwerfern und Geschützen zum Angriff über und drängten die griechisch-zyprischen Einheiten zurück. Eine Einheit der UNO-Friedenstruppe, die zu intervenieren versuchte, mußte sich wegen des schweren türkischen Feuers zurückziehen. Ein UNO-Sprecher bezeichnete die neuen Kämpfe als die schwersten seit der Unterzeichnung des Zypern-Waffenstillstandes am 30. Juli.

In Ankara legte unterdessen der türkische nationale Sicherheitsrat auf einer Kabinettssitzung die Marschroute für die zweite Runde der Genfer Zypern-Konferenz fest, die am Donnerstag beginnen soll. Ein hoher türkischer Beamter erläuterte, seine Regierung wolle in Genf Pläne vorlegen, die eine Föderationslösung für Zypern vorsehen, wobei beide Volksgruppen über "geographisch getrennte autonome Regionen" verfügen sollten.

Der griechische Außenminister Mavros hatte am Sonntag erklärt, Griechenland werde an der zweiten Runde der Genfer Konferenz nicht teilnehmen, wenn die Verletzungen des Waffenstillstandsabkommens nicht aufhörten.

Die Türkei warf den Zyperngriechen am Dienstag vor, sie hielten türkische Zyprer "unter unmenschlichen Bedingungen" als Gefangene fest. Der UNO-Friedenstruppe wurde vorgeworfen, sie sei unfähig, den Betroffenen zu helfen. Der türkische Informationsminister Birgit sagte auf einer Pressekonferenz in Ankara, über 35 000 Inseltürken würden von den Griechen festgehalten. 21 000 Türken hätten aus ihren Dörfern fliehen müssen. Umgekehrt beklagten sich griechische Zyprer in den letzten Tagen bitter über türkische Gewalthandlungen nach der Invasion vom 20. Juli.

Nach Ansicht des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit kann die Türkei, solange die Zypernkrise währt, nicht länger mit Griechenland in der Nato zusammenarbeiten.