München

Seit Pius XI. hat er allen römischen Päpsten die Hand geküßt – mit Ausnahme von Johannes XXIII. Der war ihm zu fortschrittlich. Katholisch bis ins Mark ließ er sich den Mantel eines Statthalters des Ritterordens vom heiligen Grabe von Jerusalem umhängen. Als er klerikal und vollbärtig ins Räderwerk der Nachkriegspolitik griff, nannten ihn seine Gegner den "Schwarzen Schatten über Bayern". Als er begraben wurde, nannte ihn sein einstiger Intimfeind Franz Josef Strauß mit bewegter Stimme einen "Homo Bavaricus".

Ein bayerischer Mensch war der doppelte Doktor (Philosophie und Volkswirtschaft) Alois Hundhammer von Geburt an. Das Licht der Welt erblickte er als erstes von dreizehn Kindern des Moosbauern Alois Hundhammer und seiner Ehefrau Maria am 25. Februar 1900 im Landkreis Ebersberg bei München. Die Grundlage seines katholischen Fundus wurde gelegt, als der Bub Alois die Lateinschule im Kloster Scheyern besuchte. Er studierte in München und Budapest und konnte noch im hohen Alter das "Ave Maria" auch auf ungarisch.

Als das Dritte Reich hereinbrach, wurde Hundhammer ins KZ Dachau gesperrt und nach vier Wochen wieder freigelassen. Er übernahm ein Schuhgeschäft und überstand die Nazi-Zeit als Münchner Schuhhändler, den Krieg als Zahlmeister der Wehrmacht. In der – kurzen – amerikanischen Gefangenschaft ließ er sich den markanten Vollbart wachsen, der ihn mindestens äußerlich unverwechselbar machte.

Mehr als jeder andere prägte der altbayerische Patriot und CSU-Mitbegründer die Nachkriegsära im Lande zwischen Spessart und Karwendel mit seinen Vorstellungen von der "Ordnungszelle" eines selbständigen und sehr christlichen bayerischen Staates. Als Kultusminister (1946 bis 1950) setzte er die Bekenntnisschule und die Prügelstrafe durch. Werner Egks Faust-Ballett "Abraxas" ließ er wegen "Unsittlichkeit" vom Spielplan tilgen. Seinen liberalen Parteivorsitzenden Josef ("Ochsensepp") Müller vertrieb er mittels Enthüllung im sogenannten Auerbach-Prozeß.

Der "Schwarze Mann mit der Weißen Weste" – so die Süddeutsche Zeitung – kannte keine Gnade, wenn es galt, mit Gegnern fertig zu werden. Ungerührt ließ er die Bayernparteiführer Baumgartner und Geislhoeringer in der bayerischen Spielbanken-Affäre in einen Meineid stolpern.

Unbeugsam und immer unbequemer für die CSU und ihren Vorsitzenden Franz Josef Strauß landete der sittenstrenge Politiker schließlich auf dem Posten des bayerischen Landwirtschaftsministers (1957–1969). Seine Fäden zog er im Hintergrund, im klerikal-konservativen "Petra-Kreis". Schauplatz seiner öffentlichen Verkündigungen wurde der oberbayerische Wallfahrtsort Tuntenhausen, wo Hundhammer unter anderem wider die Pille wetterte, weil mit ihr "die Grenze zwischen Gut und Böse überschritten" werde. Über allem politischen und moralischen Geschäft vergaß er nicht das Materielle. Beispielsweise gründete er zusammen mit Hans Hubmann, der jüngst durch Pleite viele alte Leute um ihre Ersparnisse brachte, ein Immobilienunternehmen,

Die Zeit ging darüber hin wie über den gestrengen Dr. Dr. Alois Hundhammer, das "Symbol politischer Starrheit" (Süddeutsche Zeitung). Er starb an Nierenversagen. Am vergangenen Montag wurde Hundhammer in Grünwald bei München begraben. Gerhard Tomkowitz