Der Schah schloß einen Pakt mit dem größten Investmenthaus der Welt. Wohin fließen nun die Ölmilliarden des Iran?

Der Schah von Persien sorgt weiter für Sensationen. Er sicherte seinem Land am Montag dieser Woche einen Vorzugsplatz auf den westlichen Geld- und Kapitalmärkten. Zusammen mit Merrill Lynch, Pierce, Fenner & Smith, dem größten Investment- und Aktienmaklerhaus der Welt mit hunderten von Niederlassung gen rund um den Globus, gründet der Kaiser eine iranisch-amerikanische Finanzgesellschaft. Partner der amerikanischen Finanzexperten in dem "spektakulärsten Unternehmen der jüngsten Finanzgeschichte" (Merrill Lynch) sind die beiden führenden persischen Kreditinstitute Bank Melli Iran und die Industrial and Mining Development Bank of Iran.

Harry B. Anderson, Chairman von Merrill Lynch International, Zentrale des weltweiten Netzes von Merrill Lynch Niederlassungen, erklärte in Teheran, die neue Gesellschaft wolle persischen Unternehmen helfen, sich auf dem eigenen Markt zu refinanzieren. Überdies sollen persische Ölmilliarden über die Börse in Teheran in die iranische Industrie geschleust werden und schließlich Persiens Banker-Nachwuchs im Umgang mit Geld und Wertpapieren trainiert werden.

Neben der Entwicklung des nationalen iranischen Kapitalmarktes will die wohl größte Finanzorganisation der Welt die Verbindungen des US-Maklers nutzen, um Auslandsfirmen zu Investitionen im Iran zu bewegen. "Wir wollen interessierten Firmen helfen, das erforderliche Kapital für Gemeinschaftsunternehmen aufzubringen", erklärte Anderson.

Der US-Makler öffnet dem Iran über die neue Gesellschaft den Zugang zu sämtlichen westlichen Geld- und Kapitalmärkten. Auch in der Bundesrepublik verfügt Merrill Lynch über drei Niederlassungen. "Wir sind sehr erfreut, daß unser Haus zusammen mit diesen wichtigen iranischen Finanzinstituten ein Gemeinschaftsunternehmen gründen konnte", kommentierte Donald T. Regan, Chairman von Merrill Lynch aus dem New Yorker Hauptquartier.

Das Unternehmen hat Grund zur Freude. Der Iran wird 1974 voraussichtlich mehr als 18 Milliarden Dollar durch den Ölexport einnehmen. Davon kann durch Import von Gütern und Dienstleistungen nur ein Bruchteil wieder ausgegeben werden. Die überschüssigen Devisen müssen sinnvoll angelegt werden.

Merrill Lynch, dessen Aufgabe es ist, Geldanleger und kapitalhungrige Unternehmen zusammenzubringen, kann über die neue Gesellschaft Finanzquellen anzapfen, die westlichen Unternehmen zuvor nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zugänglich waren. Umgekehrt findet der Schah in Merrill Lynch einen Partner, der wie kaum ein anderer die interessantesten Anlagemöglichkeiten auf den internationalen Geld- und Kapitalmärkten kennt. jfr.