Gerhard Prause: "Genies in der Schule – Legende und Wahrheit über den Erfolg im Leben." Albert Einstein sagte in Erinnerung an seine Zeit auf einem deutschen Gymnasium: "Es ist schlecht, wenn eine Schule mit Methoden des Zwangs und der künstlichen Autorität arbeitet. ... Sie erzeugen unterwürfige Menschen." Rainer Maria Rilke erinnerte sich als Mittvierziger, er habe die Schule als "Erschöpfter, körperlich und geistig Mißbrauchter" verlassen. Robert Musil nannte eben jene Schule, die Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen, deren Besuch für Rilke mit einem Zusammenbruch endete, noch vierzig Jahre nach seiner eigenen Zeit das "Arschloch des Teufels". Balzac, Churchill, James Joyce beschrieben, wie sie von ihren Lehrern geschlagen wurden. G. B. Shaw kam zu der Einsicht: "Das ganze Erziehungssystem ist ein einziger Betrug." Mehr als hundert Berühmte aus Geschichte und Gegenwart hat Gerhard Prause – unseren Lesern auch als Tratschke bekannt – in ihrer Schulzeit dargestellt, um zu zeigen, wie sie mit der Schule und ihren vielfältigen Anforderungen fertig wurden, und um die Frage beantworten zu können, ob es eigentlich sinnvoll ist, sich in der Schule so sehr anzustrengen, wie es besonders heute verlangt wird. Sein Buch spiegelt zugleich die Entwicklung unseres Bildungsideals von den Gymnasien des antiken Griechenlands über die Klosterschulen des Mittelalters, die Gelehrtenschulen und ersten Universitäten der Renaissance und des Humanismus bis in die Gegenwart. (Econ Verlag, Düsseldorf, 1974; 310 S., 48 Bilder, Register und Literaturverzeichnis, 25,– DM.)

Werner Klose: "Didaktik des Hörspiels". Der Autor, Deutschlehrer am Gymnasium seit vierundzwanzig Jahren und zugleich tätig in der Ausbildung und Fortbildung von Lehrern aller Schulformen, berichtet am konkreten Fall des Hörspiels, wie im Sinne eines mediendidaktisch offenen Literaturbegriffs im Deutschunterricht mit der thematischen und formalen Vielfalt des Hörspiels gearbeitet werden kann. Das Hörspiel ist besonders geeignet, Formen kreativen und sozialen Lernens in Klasse, Kurs und Gruppe zu entwickeln. Mädchen und Jungen aller Altersstufen können Hörspiele hören, lesen, interpretieren, nachschreiben, neu erfinden und schon mit dem einfachsten Kassettenrecorder in Unterricht und Freizeit nachspielen. Werner Klose hat mit solchen Versuchen 1954 begonnen, hat selbst Hörspiele und Spiele für Kinder geschrieben ("Reifeprüfung", "Winnetou in Hollywood"), und er hat früh Schlager und journalistische Formen unbefangen neben die historisch-ästhetische Literatur gestellt. Auch dieses Arbeitsbuch, das von der Orientierungsstufe bis zur Seminararbeit eine Fülle konkreter Anregungen gibt, nimmt das Schallplattenspiel für Kinder ebenso ernst wie die große Hörspieldichtung etwa Günter Eichs oder die Experimente des Neuen Hörspiels, das so neu gar nicht ist, sondern sich als interessante Variante der fünfzigjährigen Hörspielgeschichte sinnvoll zuordnen läßt. (Reclam Verlag, Stuttgart, 1974; 350 S., 24,80 DM.)