Von Jürgen Kramer

Washington, im August

Nun liegen die Beweise auf dem Tisch. Und Richard Nixon hat gestanden. Daß er gezwungen war, sich den Todesstoß mit eigener Hand zu versetzen, gibt dem Schlußakt der Watergate-Tragödie eine fatale Konsequenz. Das Schuldbekenntnis des Präsidenten macht seine Entthronung nahezu unabwendbar. Das Impeachment braucht den Kongreß und die Nation nicht länger zu quälen. Die Anklage gegen den Präsidenten ist, wie Nixon nun selber einräumen muß, eine "ausgemachte Sache". Seine Verurteilung und damit die Absetzung durch den Senat erscheint im Licht des unerwarteten Geständnisses so gut wie beschlossen.

Nixon hat dem Kongreß die Entscheidung praktisch abgenommen. In den Augen der Amerikaner hat er sich mit der Offenbarung, schon sechs Tage nach dem Watergate-Einbruch im Juni 1972 an dessen Verdunklung mitgewirkt zu haben, selber gerichtet. Der Präsident mußte zugeben, was längst vermutet worden war: daß die Einschaltung des Geheimdienstes CIA dazu diente, die Bundeskriminalpolizei an der Aufklärung des Einbruchs in die Wahlkampfzentrale der Demokraten zu hindern.

Wenn. nun überhaupt noch eine Anklage im Senat nötig ist, wird sie nicht viel mehr sein als die Ratifizierung des von Nixon abgelegten Geständnisses. Doch ist kaum vorstellbar, daß der Präsident es unter diesen Umständen auf den Prozeß ankommen lassen wird, es sei denn, er hätte den Sinn für die Realitäten vollkommen verloren. Bisweilen hat es freilich den Anschein. Wie anders soll man seine am Dienstag vor dem Kabinett getroffene Feststellung deuten, das Schuldbekenntnis sei kein Grund zum Impeachment? Ist Nixon so verbohrt, daß er die Brücke zum Rücktritt nicht betreten will, die ihm seine eigenen Parteifreunde bauen? Oder geht es ihm nur noch darum, die Konditionen auszuhandeln, unter denen er aus dem Amt auszuscheiden bereit ist?

Immunität gegenüber strafrechtlicher Verfolgung wäre wohl die wichtigste Bedingung. Die Demokraten im Kongreß halten nicht viel davon, seit der Absetzungsbeschluß so nahe gerückt ist. Aber wenn der Präsident die Bereitschaft zum Rücktritt erkennen ließe – und sein Geständnis könnte so verstanden werden –, wird eine Immunitätsgarantie an den Demokraten bestimmt nicht scheitern.

Jetzt ist jedermann klargeworden, warum Nixon um keinen Preis die 64 Tonbänder herausrücken wollte, die Sonderankläger Jaworski von ihm verlangt hatte und zu deren Herausgabe ihn schließlich der Oberste Gerichtshof zwang. In diesen Bändern war die "Mordwaffe" versteckt, von der Nixons Anhänger meinten, solange sie nicht auf dem Tisch liege, stehe ein Impeachment auf schwachen Beinen.