Die Umfragenpanne bei der Truman-Dewey-Wahl ist lange vergessen. Das war 1948. Die amerikanischen Institute sagten damals, die hauchdünne Entscheidung habe innerhalb der Fehlermarge gelegen, die man der Meinungsforschung zubilligen müsse.

Inzwischen sind die Margen sehr viel weiter geworden. In die gähnende Öffnung fällt immer mehr vom Informationswert solcher Befragungen. In Bonn haben sie uns ein paar Mal genarrt, in London lagen sie vor vier Jahren horrend schief, als Wilson bis zum Wahltag ständig gewann und dann mittelhoch verlor. Doch die Umfragen werden auch in Großbritannien mitgeschleppt wie eine schlechte Gewohnheit. Dabei sind sie manchmal nicht das Zeitungspapier wert, auf dem sie gedruckt werden.

So auch diesmal. Sonntag, 28. Juli, hieß es: Tories führen mit 6 Prozent. Freitag, 2. August: Labour führt mit 6,5 Prozent. Samstag, 3. August: Labour führt sogar mit 9 Prozent. Keine Wählerschaft der Welt vollführt in weniger als einer Woche solche Kopfstände, vor allem ohne sichtbare oder spürbare Anlässe. Es sind da offenbar zwei ganz verschiedene Nationen gefragt worden. Oder doch nicht?

Etwas scheint Interviewer und Interviewte, die da nicht zusammengefunden haben, insgeheim zu verbinden. "Es wird jetzt immer häufiger angedeutet, daß wir eine Nation von Amateuren seien" – das sagte im Jahr 1900 der Earl of Roseberry. K. H. W.