Von Kurt Wendt

Die Bemühungen des deutschen Kreditgewerbes, sein durch die Pleite des Kölner Bankhauses Herstatt lädiertes Ansehen wieder aufzupolieren, erlitten am Wochenbeginn einen Rückschlag. Mit Bass & Herz mußte erneut eine Privatbank das Vergleichsverfahren beantragen. Es ist zwar sicher, daß diese Insolvenz nicht im Zusammenhang mit der Herstatt-Pleite steht, doch bleibt die Tatsache bestehen, daß der Fall Bass & Herz, selbst wenn es sich hier um ein relativ unbedeutendes Haus handelt, kaum vernarbte Wunden wieder aufzureißen droht.

In ruhigen Zeiten wäre die Insolvenz eines solchen Instituts in der Bundesrepublik nur registriert, im Ausland vermutlich kaum bemerkt worden. Heute ist das anders. Sowohl bei der im vergangenen Jahr schwach gewordenen Bau-Kredit-Bank AG als auch bei Herstatt werden ausländische Banken Geld verlieren. Kein Wunder, wenn die internationale Finanzwelt das deutsche Bankwesen argwöhnisch zu betrachten beginnt. Und nicht nur sie. Auch deutsche Geldgeber geben dem Faktor Sicherheit eine andere Priorität als früher.

Die Folge: Selbst bei angesehenen deutschen Privatbanken wurden in den letzten Wochen Einlagen abgezogen oder stillschweigend nicht mehr erneuert. Jahrzehntelange gute Geschäftsbeziehungen beginnen abzukühlen. Einige Banken registrierten sogar den Abzug von Wertpapierdepots, obwohl dafür im Falle einer Bankinsolvenz keine Gefahr besteht. Schlimmstenfalls ist der Wertpapierkunde für ein paar Tage in der Verfügungsgewalt über seine Effekten blockiert, wie wir es bei Herstatt jüngst erlebt haben.

Nach Herstatt waren solche Entwicklungen unschwer vorauszusehen. Um Schwierigkeiten, die sich als Folge der Herstatt-Pleite bei Banken einstellen würden, zu begegnen, ist das sogenannte Liquiditätshilfekonsortium deutscher Banken ins Leben gerufen worden. Mit Unterstützung der Bundesbank springt es bei akuten Liquiditätsnöten ein. Das hat bisher gut und vor allem ohne Aufsehen funktioniert.

Um so mehr überraschte es, als vor gut zwei Wochen in Frankfurt erklärt wurde, das Liquiditätshilfekonsortium stehe auch für Bass & Herz bereit, falls es dort gebraucht werden sollte. Diese Verlautbarung war offensichtlich notwendig geworden, weil in den Tagen vorher die zum Bereich des Schaffgotsch-Konzerns gehörende Bank ins Gerede gekommen war. Damals glaubte man noch, Bass & Herz inden Kreis der Herstatt-Geschädigten einreihen zu können. Bei näherem Hinsehen stellte sich aber heraus, daß hier die Dinge anders lagen. Nicht die Herstatt-Folgen rissen das Frankfurter Haus in die Tiefe, sondern der drohende Zusammenbruch der Schaffgotsch Bergwerksgesellschaft mit Sitz in München. Für dieses Unternehmen hatte Bass & Herz Bürgschaften übernommen, für die es jetzt einzustehen gilt.

Für solche Fehlleistungen war das Liquiditätshilfekonsortium nicht gegründet. Es sah sich deshalb nicht in der Lage, Bass & Herz vor der Schließung zu bewahren, sorgt allerdings dafür, daß kein privater Einleger Geld verlieren wird und daß ausländische Banken vorrangig aus den vorhandenen Mitteln entschädigt werden.