In den kurzen Kraulstrecken zählt Peter Nocke zu den Favoriten für Wien

Die Spaziergänge schmunzeln, denn das Bild stimmt sie fröhlich: ein. kleiner schwarzer Hund legt sich schwungvoll ins Zeug und zieht am anderen Ende der Leine einen austrainierten Blondschopf hinter sich her. Ein Rollentausch drängt sich auf, als ob der wackere Vierbeiner sein Herrchen ausführen würde und nicht umgekehrt. Die Zwergpudeldame "Imme" hat natürlich keinen Sinn für sportliche Höchstleistungen, denn sonst müßte berechtigter Stolz ihre Hundeseele erfüllen, von einem Mann begleitet zu werden, der vor kurzem für eine Palastrevolution im in- und ausländischen Schwimmsport sorgte. Peter Nocke schlug bei den Deutschen Meisterschaften in Regensburg zwei Fliegen mit einer Klappe. Er besiegte seinen größten heimischen Rivalen, Klaus Steinbach von der DSV-Schule Max Ritter, gleich zweimal und schwamm auf Anhieb in die absolute Weltklasse der Kraulsprinter. Die von ihm erzielten Zeiten, 52,28 Sekunden über 100 m und die Weltjahresbestleistung von 1 : 54,6 Min. über die 200 m-Distanz sprechen für sich und für die Arbeit des Vereins "Wasserfreunde Wuppertal", in dem Peter Nocke aufwuchs.

Seit 1951 steht hier Trainer Heinz Hoffmann am Beckenrand, unterstützt von dem ehemaligen Rückenweltrekordler Hans-Joachim Küppers. 91 deutsche Meistertitel und 146. Landesrekorde zeichnen ihre Tätigkeit aus.

Aus dem reichhaltigen Reservoire des Clubs bereitet sich jetzt ein Quartett auf die kommenden Europameisterschaften im August in Wien vor: Jutta Weber, Folkert Meeuw, Peter Raschke und Peter Nocke, der mit einer fast beängstigenden Form seine Konkurrenz überraschte. Er ist ein außergewöhnliches Talent, dessen schwimmerische Qualitäten Trainer Hoffmann so charakterisiert: "Harmonie und Rhythmus prägen seinen Stil. Bis jetzt ist es uns meistens gelungen, ihn technisch optimal vorbereitet in den Wettkampf zu schicken."

Aber auch Peter Nocke mußte das unerläßliche Lehrgeld zahlen. Mit 16 Jahren verpaßte er nur knapp die Olympischen Spiele in München; ein Jahr später, bei den ersten Schwimmweltmeisterschaften in Belgrad, kam die Nervosität und mit ihr stilistische Schwierigkeiten; schließlich bei den Internationalen Hallenmeisterschaften der Bundesrepublik 1974 zeigte sich die mangelnde Routine, als Peter Nocke seine Chancen schon im Vorlauf regelrecht verschlief.

Nach seinen Leistungen, in "Regensburg gehört der 18jährige jedoch, zum engen Favoritenkreis der Sprinter in Wien, und gegen diese Belastung kämpft er jetzt schon an: Popularität, die Favoritenrolle passen mir überhaupt nicht. Ich bin eigentlich ein Typ, der tiefstapelt und dann aus dem Hintergrund kommt, so wie in Regensburg. Ich ging dort sehr lustig an den Start, denn ich hatte nichts zu verlieren, nur zu gewinnen!"

Peter, das Einzelkind einer gutsituierten Familie, hat ein nett eingerichtetes separates Apartment im Elternhaus. Schallplatten, ein Verstärker und ein Stereo-Tonbandgerät sind Zeugen seines Hobbys. Die Musik soll den Trainingsstreß auflockern, der seit Oktober vergangenen Jahres konstant andauert. Auf dem Schreibtisch Briefe der Fans, daneben ein überdimensionaler roter Wecker, als ob er die bald schlagende Stunde signalisieren würde. Das sportliche Nahziel ist klar: die Europameisterschaft. Und das berufliche?