Was steckt eigentlich hinter der Tatsache, daß das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen die zahlreichen Unternehmen des Gerling-Konzerns derzeit darauf abklopft, ob sie ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet sind? Fachleute des Aufsichtsamtes und der Bundesregierung sagen: wenig. Und Regierungsdirektor Ernst-Wilhelm Eickhoff, als Versicherungsreferent im Bundesfinanzministerium Nachfolger des zur Münchner Rückversicherungs AG abgewanderten Udo Knoke, meint, man solle diese Überprüfung "als Routine ansehen".

Tatsächlich sind solche Prüfungen üblich. Erst vor kurzem hat die Versicherungsaufsicht einer Reihe von Versicherungsunternehmen "blaue Briefe" ins Haus geschickt und sie gebeten, ihre Eigenkapitalrelation zu verbessern. Dennoch: Die Nachricht von der Überprüfung bei Gerling ist unter Insidern sorgsamer registriert worden als frühere "Routine"-Überprüfungen.

Abgesehen von dem besonderen Interesse, das man derzeit allem entgegenbringt, was mit dem Namen des Konzernchefs und Herstatt-Bank-Hauptaktionär Hans Gerling zu tun hat, erhofft man sich von der Untersuchung etwas mehr Einblick in den extrem verschachtelten Konzern.

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Der September wird im Bundeswirtschaftsministerium ein Monat der Konzertierten Aktionen sein. Neben der "Einkommenspolitischen Runde", die am 24. September zu ihrer vielleicht wichtigsten Sitzung dieses Jahres zusammentreten wird, trifft sich voraussichtlich wenige Tage vorher der "runde Kohletisch" – ebenso wie die Konzertierte Aktion eine Einrichtung aus der Minister-Zeit Karl Schillers.

An diesem Kohletisch, den Wirtschaftsminister Hans Friderichs zuletzt vor einem Jahr während der Erarbeitung des Bonner Energieprogramms hatte tagen lassen, werden sich wiederum die Bergbauunternehmen, die IG-Bergbau und die Hauptabnehmer der Steinkohle, also Strom- und Stahlerzeuger, versammeln.

Die Kohleerzeuger hoffen dabei, daß der Wind, der ihnen nach der Ölpreiskrise in den Rücken blies, noch ein bißchen anhalten wird. Wie auch die Bergbau-Gewerkschaft möchte der Gesamtverband des Deutschen Steinkohlebergbaus gern die langfristige Fördermenge an Steinkohle auf wenigstens 95 Millionen Tonnen pro Jahr festgesetzt sehen: Nach dem letzten Energieprogramm sollte die Förderung bis 1978 dagegen auf 83 Millionen Tonnen heruntergefahren werden. Gesamtverbands-Geschäftsführer Gerhard Ott nennt als weitere Wünsche seiner Branche absatzfördernde Maßnahmen – dabei liegt das dritte Verstromungsgesetz, das eigentlich schon verabschiedet sein müßte, noch immer im Bundestag. Weitere Punkte seiner Wunschliste: Kostendeckende Preise und die Erleichterung der Steinkohleerzeuger um finanzielle Altlasten.