Die Schließung des Frankfurter Bankhauses Bass & Herz brachte einen bislang nahezu unbekannten Familienbesitz ins Gerede: Die Schaffgotsch-Gruppe.

Was Flick und Oetker, Quandt und Henkel nicht schafften, glückte Hans Ulrich Graf Schaffgotsch: Fast völlig unbemerkt von der öffentlichen Neugier seinen Geschäften nachzugehen. Am vergangenen Montag, als seine Hausbank, das Frankfurter Institut Bass & Herz, die Schalter schließen mußte (vgl. S. 26: „Angst vor Leichen im Keller“) trat sein verschachteltes Firmen-Konglomerat erstmals ins Rampenlicht.

Noch zur Kaiserzeit gehörten die Besitzungen des oberschlesischen Adelsgeschlechts zu den größten Privatvermögen des Deutschen Reiches. Eine in Gleiwitz registrierte Familien-GmbH fungierte als Drehscheibe sämtlicher Industrieaktivitäten der Familie. Die größten Besitztümer waren die Berliner Lignose-Sprengstoffwerke, die BUBIAG, die Godulla-Bergwerke und die Schaffgotsch Benzin GmbH.

Nach der Vertreibung aus dem Osten etablierte sich das verzweigte Adelsgeschlecht in München. 1958. wurde das Vermögen in die Schaffgotsch Bergwerksgesellschaft mbH eingebracht, die ein Jahr später in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt wurde. Persönlich haftender Gesellschafter ist Hans Ulrich Graf Schaffgotsch, der über seine Geschäftspolitik mehr als 80 Kommanditisten Rechenschaft schuldet.

Kernstück der Gruppe ist die Firma Elektrische Licht- und Kraftanlagen (Elikraft), die wiederum über eine Vielzahl von Produktions- und Handelsfirmen gebietet. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Lichttechnik, Brennstoffen, Baumaterialien, ja sogar mit Straßen- und Kanalbau.

Besonders hohe Verluste entstanden der Familie durch die Bonner Büromaterial-Firma Soennecken (Beteiligung; 50 Prozent), die zur Zeit still liquidiert wird. Eine geringe Beteiligung hält das ohne Fortuna agierende Adels-Geschlecht auch am Otto-Versand in Hamburg. Eg