Berlin, im August

Er ist Autor des vierteiligen Fernsehfilms "Eva und Adam", dessen ersten Teil das westdeutsche Fernsehen im Oktober senden wird: Gerhard Bengsch. Wir treffen uns im Ostberliner Presseclub, und das nicht von ungefähr, Bengsch hat als Journalist angefangen, doch ist das lange her. "Ich bin schon früh gebeten worden, an einer Fernsehgeschichte mitzuarbeiten", sagt er. "Und dann bin ich nicht wieder davon losgekommen." Er hat viele Fernsehspiele und Filme geschrieben. Er hat es zu Ruhm und Ehren gebracht, zur höchsten Ehre, die die DDR an ihre Bürger zu vergeben hat: dem Nationalpreis.

Man kommt leicht mit ihm ins Gespräch, er unterhält sich gern, ist immer bei der Sache, egal ob er redet oder zuhört. Zu "Eva und Adam" gibt es ein Filmtagebuch, das man für acht Mark kaufen kann, wenn es nicht gerade vergriffen ist. Dort ist nachzulesen, wie viele Gespräche er vor und während des Schreibens geführt hat. Er hat im Wartburg-Werk in Eisenach mit Arbeiterinnen und Arbeitern diskutiert, in der ölsnitzer Teppichfabrik "VEB Halbmond", in Plauener Textilbetrieben.

Der Gegenstand von "Eva und Adam" ist, der Titel sagt es, die Emanzipation. Zu Bengschs journalistischer Recherche zu diesem Thema gehörte der Besuch von Scheidungsprozessen, das Studieren von Statistiken, aus denen er lernte, daß auch die Frauen in der DDR bisher noch weniger verdienen als ihre Männer, weil sie die schlechter bezahlten Arbeiten machen. "Dabei muß das nicht sein", ärgert er sich, "Frauen sollten sich mehr qualifizieren – im eigenen Interesse!"

Er hat die Emanzipationsklassiker gelesen: Bebel, Engels, Clara Zetkin, aber auch die neueren Vertreter: Germaine Greer, Betty Friedan, Esther Vilar. "Die Vilar hat ja eine Menge Blödsinn geschrieben", findet er. "Aber ein bißchen hat sie schon mit der Beschimpfung der Frauen recht. Frauen nützen immer noch zu sehr ihre Weiblichkeit aus, spielen im Betrieb das scheue Reh, und der Herr Vorgesetzte fällt auch prompt drauf rein. Ich gebe zu, ich nutze das sogar selbst aus. Bleibt mein Auto stehen, verdrücke ich mich seitwärts in die Büsche und sage zu meiner Frau: "Nun wink mal schön, bei dir werden sie schon halten. Und es klappt natürlich. Der Fernfahrer legt sich unter den Wagen, repariert, und wenn meine Frau sich dann bedankt, hat man das Gefühl, sie hat dem Mann mit ihrer Bitte um Hilfe noch einen Gefallen getan."

Er ist seit über 20 Jahren verheiratet, hat einen 21jährigen Sohn, der nicht mehr zu Hause wohnt, nur noch kommt, um die jeweils neueste Freundin vorzustellen. "Und das ist ziemlich häufig", sagt sein Vater. Die Bengschs wohnen vor den Toren Berlins, in Klein-Machnow. Seine Frau war früher Journalistin, heute hilft sie ihm bei der Arbeit.

Schadet oder nützt das ihrer Emanzipation? Man müßte sie mal fragen ... Für Bengsch war die eigene Ehe uninteressant, er findet sein Leben untypisch. Er schreibt nicht für seinesgleichen, sondern für Leute wie die junge Arbeiterfrau in dem ersten seiner vier Episodenfilme, die sich beruflich weiterbildet und deren Ehe dadurch ins Wackeln gerät. Seine Eheleute im Film – jedenfalls in diesem 1. Teil – dürfen sich vertragen, im Gespräch gibt er der Ehe in der bestehenden Form nur wenig Überlebenschancen.