In der kommenden Woche beginnt in Berlin das Kartell-Hearing gegen den Pharmakonzern Hoffmann-La Roche. Den Schweizern drohen Preisobergrenzen für Beruhigungsmittel.

Nach den Fehlschlägen bei den Verfahren gegen die Mineralölkonzerne und das Volkswagenwerk wagt sich das Bundeskartellamt an ein anderes Mißbrauchsverfahren, das mit einer öffentlichen Anhörung am 22. August eingeleitet wird: Diesmal geht es um die Preisbildung für die Psychopharmaka Valium und Librium der deutschen Tochtergesellschaft des Schweizer Arzneimittelkonzerns Hoffmann-La Roche.

Gewitzt durch die Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit des Berliner Amtes, betonen die Wettbewerbshüter jetzt mit Nachdruck, daß die Anhörung nur der Sachaufklärung und Information diene, und daß damit noch kein formelles Verschulden oder eine Verurteilung verbunden sei. Auf Grund der für den Konzern angenommenen marktbeherrschenden Stellung bestehe aber Anlaß zu der Vermutung, daß die Preise für die Beruhigungsmittel Valium und Librium nicht so gebildet würden, wie dies im Wettbewerb zu erwarten sei.

Die Vermutungen werden durch die Preisgestaltung auf ausländischen Märkten erhärtet. In Großbritannien hat die Monopolkommission vor eineinhalb Jahren einen Bericht vorgelegt, in dem die Preise für Valium und Librium als stark überhöht bezeichnet wurden. Obwohl damals die britischen Preise zum Teil nur halb so hoch waren wie die Preise für die gleichen Produkte in der Bundesrepublik, empfahl die Kommission der Regierung, eine Senkung der Preise für Valium um 75 Prozent und für Librum um 60 Prozent anzuordnen. Daraufhin senkte Hoffmann-La Roche in Großbritannien die Preise freiwillig um 30 Prozent.

Dennoch folgte die britische Regierung der Empfehlung der Monopolkommission und forderte weitere Preissenkungen. Zugleich mußte Hoffmann-La Roche an Konkurrenten Zwangslizenzen vergeben, um den Wettbewerb zu blieben.

Das Bundeskartellamt, das den Pharmamarkt seit längerem argwöhnisch beobachtet, hat. die Vorgänge in England zum Anlaß für eigene Untersuchungen genommen: Danach gibt es in Deutschland einen Patentschutz für Valium und Librium, außerdem sind nur etwa sechs Präparate der gleichen Stoffgruppe auf dem Markt. Ein Preiswettbewerb, meint das Amt, besteht nicht. Die Schwierigkeit in dem bevorstehenden Verfahren ist es, daß es in der Bundesrepublik keine Vergleichsmärkte gibt, auf denen ein Wettbewerbspreis festzustellen wäre. Eine Kostenprüfung scheuen die Berliner.

So wollen die Kartellwächter vor allem die Verrechnungspreis für die Wirkstoffe vergleichen, aus denen Valium und Librium hergestellt wird. In Italien, wo es keinen Patentschutz gibt, sind die Preise für diese Wirkstoffe um mehr als 90 Prozent niedriger als in Großbritannien. Darauf vor allem stützt das Kartellamt seinen Verdacht, während es im übrigen den Angaben vor. Hoffmann-La Roche über die Kostenstruktur folgen. will. Es gehe darum, so heißt es, in dem Verfahren unter Berücksichtigung der Wettbewerbspreise für die benötigten Wirkstoffe eine Preis-Obergrenze für Valium und Librium zu finden. jn.